Aktuelles

20. Oktober 2019: Meet and Code: Für Coding begeistern, Technoseum Mannheim

[mehr]

24. Oktober 2019 - 16.03.2020: 550 JAHRE NACH GUTENBERG: Aktuelle Positionen, IDS Mannheim

[mehr]

07. November 2019: Barbara Stiebels (Universität Leipzig): Einstellungsprädikate mit Objektkontrolle, IDS Mannheim

[mehr]

12. - 13. Dezember 2019: Workshop "Sprachstatistik", IDS Mannheim

[mehr]

10. - 12. März 2020: Deutsch in Europa, Rosengarten, Mannheim

[mehr]

01. - 03. April 2020: 22. Arbeitstagung zur Gesprächsforschung, Rahmenthema "Bedeutung in der Interaktion", IDS Mannheim

[mehr]

Ausstellung Katharina Dück
07. März bis 27. Juli 2012

Grußworte von Wolfgang Glass zur Ausstellungseröffnung
„Masken und Hülsen“ am 07. März 2012



[Laudation durch Wolfgang Glass bei der Ausstellungseröffnung]

„Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit erkennen lässt.“

Dieses Zitat von Pablo Picasso steht auf der Homepage von Katharina Dück, zu deren Ausstellung „Hülsen und Masken“ ich Sie herzlich begrüßen darf.

Inwieweit die Künstlerin gelogen hat, um uns zur Wahrheit zu führen, müssen wir heute Abend auf den Prüfstand legen. Denn die Wissenschaftlerin hat sich ein komplexes Thema ausgesucht.

Meine Aufgabe heute Abend ist es, Ihnen Katharina und ihre Arbeit etwas näher zu bringen. Tiefergehende Erklärungen zum Werk wird Ihnen Herr Marco Jammermann liefern.

Biografisches:

Die Künstlerin lebt in Neustadt und arbeitet hier im Institut für Deutsche Sprache als wissenschaftliche Hilfskraft. Sie hat Philosophie, Germanistik und Biologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und an der Karl-Frenzens-Universität Graz studiert. Seit 2010 promoviert sie in Heidelberg in frühneuzeitlicher Philosophie.

Und so „zwischen rein“ studierte sie auch noch Kunstgeschichte und widmet sich der Dichtung.

Die Liebe zur darstellenden Kunst wurde ihr schon in die Wiege gelegt, denn ihr Vater ist Kunstlehrer und hat sie mit dem Zeichnen schon früh in Verbindung gebracht.

Als Kind hat sie schon den Drang verspürt, sich der Kunst zu widmen, und als sie zu studieren anfing, wollte sie unbedingt ihr Wissen mit der Kunst verknüpfen und ihr Gestalt geben.

Seit 2002 nimmt sie regelmäßig an Veranstaltungen und Ausstellungen des Kunstvereins Neustadt teil. „Hülsen und Masken“ ist die erste große Einzelausstellung der Künstlerin.

Im Institut sind rund 30 Arbeiten ausgestellt. Es sind Linoldrucke, Acrylbilder, auch Bilder mit Pastellfarben, Holz-Plastikmontagen, Gipsmasken und Bildmontagen.

Was will die Künstlerin eigentlich mit ihrer Arbeit? Klar ist, dass sie nicht Kunst um der Kunst willen macht.

Sie hat Absichten ... Sie will für sich Freiheit erlangen – und diese dann weitergeben.

Welche Freiheit ist gemeint?

Nicht die ohne Verantwortung, zum Beispiel die neoliberale Wirtschaftsfreiheit auf Kosten anderer. Auch nicht die Freiheit des Diogenes im Fass, in der ja auch eine gewisse Weltflucht steckt („bloß nichts für andere tun“), sondern eher die Freiheit des kategorischen Imperativs des Immanuel Kant.

Vielfalt und Deckungsgleichheit von Form und Inhalt sind meistens nicht gegeben, sagt sie. Die Leute reden, handeln aber nicht danach oder handeln anders. Lug und Trug, wie oft auch in der Politik. Das macht sie sauer – und da kommen die Hülsen = Worthülsen und Masken = Persona ins Spiel.

Was sind Masken?

Zum Beispiel Facebook, Botox, Second Life (das Computerspiel). Also nicht nur venezianische, Kabuki- oder Fastnachtsmasken, wie es meist verstanden wird.

Diese Masken sind auch Schutz, nicht nur Täuschung. Sind aber auch Fetische, also obsessive Masken, die Teile der Persönlichkeit bilden, ohne die Gefühle zu ersetzen – im positiven Fall.

Was sind Hülsen? Leere Gefäße ohne Inhalt. Geschosse ohne Sprengkraft. Oder auch rhetorische Formeln ohne Aussage, nur angefüllt mit weitschweifigem Geschwafel und Wörterhaufen oder auch Bilder ohne Inhalt, die Farben nur sinnlos verteilt.

Katharina Dück will Ihnen, meine Damen und Herren, ihre ambitionierte Kunst nahelegen, um Ihre Sinne für die Täuschungen in und um die Kunst und das Leben zu schärfen.

Katharinas Werke sind sehr unterschiedlich und nicht auf einen Stil festgelegt, da ja ihr Anliegen mehr in der Aussage als in der Form liegt

Manches wirkt wie surrealistische Malerei, etwa der „Computerlinguist“. Ein anderes Werk wie „Fiat“ (das göttliche Schöpfungswort), dargestellt als leeres Gesicht, das sich zum Betrachter hingewendet dreidimensional durch schwarzen Stoff drückt, ist eher ein Objekt, das Bewegung suggeriert.

[Ausstellungseröffnung mit der Künstlerin]

Oder „Tria Prima“ ... Salz Schwefel Quecksilber ... wirkt wie ein abstraktes Bild, auf dem die Künstlerin drei Farbtuben ausgedrückt hat.

So unterschiedlich Katharinas Arbeiten auch sind: Es steckt in allen ihr Anliegen. Die Suche nach Wahrheit ... Ehrlichkeit ... Sprachsensibilität. Und vor allem, so sagt sie: Nicht so viel reden, sondern lesen ... sehen, und dann loslegen.

Also Zeit für mich zu schweigen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen eine anregende Auseinandersetzung mit der Arbeit der Künstlerin und der Künstlerin eine erfolgreiche Ausstellung.

Wolfgang Glass

Vorsitzender des Kunstvereins Neustadt an der Weinstraße