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Direktion und zentrale Forschung

Kontakt:
    <korpuslinguistik@ids-...>
 
Leitung:
    Cyril Belica <belica@ids-...>
 
Wissenschaftliche Mitarbeiter:
    Dr. Marc Kupietz <kupietz@ids-...>
    Dr. Harald Lüngen <luengen@ids-...>
    Rainer Perkuhn <perkuhn@ids-...>
 
Studentische Hilfskräfte:
    Anna Konovalova
    Theresa Sick

Methoden der Korpusanalyse und -erschließung


Arbeitsschwerpunkt Approaching Grammar    
[siehe auch: Flyer (pdf, 1.9M)]

Eingebettet in ein allgemeines empirisch-linguistisches Forschungsprogramm verfolgen wir in diesem Arbeitsschwerpunkt das Ziel, umsetzbare Forschungsstrategien für die Entwicklung explanatorischer Grammatiktheorien zu erarbeiten. Dabei wird Grammatik v.a. als ein psychologisches und soziales Phänomen verstanden.

Annahmen

Als die einzige grundlegende Annahme baut unser Ansatz auf der allgemeinen Vorstellung einer Emergent Grammar (Hopper 1987, 1998) auf, derzufolge alle grammatischen Regelhaftigkeiten in ihrem Wesen emergent sind und fortwährend durch den Sprachgebrauch beeinflusst und umgestaltet werden. Den Regelhaftigkeiten wird eine psychische Realität zugesprochen: in Form von Sprachroutinen individueller Sprecher, welche aus der sich ansammelnden Spracherfahrung des jeweiligen Sprechers entstehen und sich fortlaufend entwickeln. Entsprechend wird den grammatischen Regelhaftigkeiten auch eine soziale Realität zugesprochen: in Form von Sprachkonventionen, welche wiederum informell als die Schnittmenge der individuellen Grammatiken (d.h., Sprachroutinen) der meisten Sprecher in einer Sprachgemeinschaft charakterisiert werden können.

Aus ihrer angenommenen zweifachen Realität folgt unmittelbar, dass grammatische Regelhaftigkeiten umgekehrt den Sprachgebrauch beeinflussen: Sprecher verwenden ihre Sprachroutinen offenkundig routinemäßig, und insofern sie an erfolgreicher Kommunikation interessiert sind, verwenden sie dabei bevorzugt die Konventionen der jeweils relevanten Sprachgemeinschaft. Diese allgemeinen Annahmen – soweit sie zutreffen – sagen voraus, dass jede grammatische Regelhaftigkeit Korrelate in einem geeigneten Korpus hat, vorausgesetzt das Korpus ist hinreichend groß und stratifiziert. In diesem Arbeitsschwerpunkt setzen wir eine streng empirische Forschungsstrategie um, die zentral auf dieser Vorhersage aufbaut.

Empirische Forschungsstrategie

Sprachroutinen individueller Sprecher sind Teil des impliziten Sprachwissens und können nicht ohne weiteres explizit gemacht werden. Ebenso sind auch Sprachkonventionen einer Sprachgemeinschaft im Sinne der obigen Charakterisierung nicht explizit greifbar. Grammatische Regelhaftigkeiten als reale Phänomene können daher nicht direkt untersucht werden – stattdessen versuchen wir, uns ihnen indirekt über ihre Korpuskorrelate zu nähern (daher der Name dieses Schwerpunkts). Die Korpuskorrelate versuchen wir aufzuspüren, indem wir die induktiven psychologischen Prozesse nachahmen, die dem emergenten Wesen dieser Regelhaftigkeiten zugrunde liegen. Dabei soll in kleinen induktiven Schritten vorgegangen werden.

Die induktiv gewonnenen Korpuskorrelate können zwar sehr abstrakte Strukturen sein, aber diese Strukturen haben den Status von Beschreibungen und sind selbst noch nicht Bestandteil einer möglichen explanatorischen Grammatiktheorie. Erst indem man eine große Zahl von Korpuskorrelaten (desselben Typs) exploriert, kann man allgemeinere Beobachtungen machen und aus diesen abduktiv neue Hypothesen (auf der theoretischen Ebene) über die realen grammatischen Strukturen ableiten. Jede dieser Hypothesen muss wiederum empirisch überprüft werden (via Deduktion und Falsifikation).

Zentrale Herausforderungen

Für jeden Typus mutmaßlicher Korpuskorrelate sind insbesondere die folgenden Aufgaben zu bearbeiten.

  • psychologische Realität überprüfen
  • adäquate kognitive Konzeptualisierung entdecken
  • systematisch explorieren
  • Hypothesen ableiten und empirisch testen

Aktuell

Die laufenden Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf syntagmatisch-paradigmatische Strukturen.

Publikationen (Auswahl)

Forschritte im Rahmen dieses Arbeitsschwerpunkts veröffentlichen wir regelmäßig in Vorträgen und Aufsätzen, deren Titel meist die feste Bezeichnung „Approaching grammar“ vorangestellt ist.

Keibel, Holger / Belica, Cyril / Kupietz, Marc / Perkuhn, Rainer (2011): Approaching grammar: Detecting, conceptualizing and generalizing paradigmatic variation. In Konopka, Marek / Kubczak, Jacqueline / Mair, Christian / Štícha, František / Wassner, Ulrich (eds.): Grammar & Corpora 2009: Selected contributions from the conference Grammar and Corpora, Sept. 22-24, 2009, Mannheim. Tübingen: Narr.

Kupietz, Marc / Keibel, Holger (2009): Gebrauchsbasierte Grammatik: Statistische Regelhaftigkeit. In: Konopka, Marek / Strecker, Bruno (Hrsgg.): Deutsche Grammatik – Regeln, Normen, Sprachgebrauch. Berlin/New York: de Gruyter, 33-50.

Keibel, Holger / Kupietz, Marc (2009): Approaching grammar: Towards an empirical linguistic research programme. In: Minegishi, Makoto / Kawaguchi, Yuji (eds.): Working Papers in Corpus-based Linguistics and Language Education, No. 3. Tokyo: Tokyo University of Foreign Studies (TUFS), 61-76.   http://cblle.tufs.ac.jp/assets/files/publications/working_papers_03/section/061-076.pdf

Keibel, Holger / Kupietz, Marc / Belica, Cyril (2008): Approaching grammar: Inferring operational constituents of language use from large corpora. In: Štícha, František / Fried, Mirjam (eds.): Grammar & Corpora 2007: Selected contributions from the conference Grammar and Corpora, Sept. 25-27, 2007, Liblice, Czech Republic. Prague: ACADEMIA, 235-242.

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Kontakt:
Dr. Holger Keibel <keibel@ids-...>