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Projektleitung

Mitarbeiter

Studentische Mitarbeiterinnen

  • Melanie Drothler
  • Anja Westphale
  • Zita Charlotte Zitterbart

Ehemalige MitarbeiterInnen

Grammatik des Deutschen im europäischen Vergleich (GDE-V)

Projektbeschreibung, Projektziele

Im Projekt "Grammatik des Deutschen im europäischen Vergleich – Verbgrammatik" wird anknüpfend an das Projekt GDE-N ein multilateraler Ansatz auf der Basis sprachtypologischer Erkenntnisse weiterverfolgt bzw. verstärkt und an die IDS-Tradition kontrastiver Grammatikschreibung angeknüpft. Als Kontrastsprachen sind Englisch, Italienisch und Französisch, Polnisch und Ungarisch festgelegt. Darüber hinaus werden systematisch neben den Germanischen Sprachen Deutsch und Englisch auch weitere West- und Nordgermanische Sprachen (Niederländisch, Jiddisch, Schwedisch) in die Einzeluntersuchungen einbezogen. Damit möchte das Projekt seinen Aufgaben hinsichtlich der germanistischen Grammatikforschung außerhalb des deutschsprachigen Raumes nachkommen bzw. diese aktiv mitgestalten. Daneben werden weitere europäische Sprachen einbezogen, wenn dadurch grammatische Optionen im Kontrast zum Deutschen sichtbar werden.

Ziel des Projekts ist es, verbbezogene grammatische Strukturen des Deutschen in Beziehung zu setzen mit entsprechenden Strukturen, die in europäischen Sprachen vertreten sind, um auf dieser Basis ein besseres Verständnis für die spezifischen Parametrisierungen des Deutschen zu entwickeln.

Konzeptionell schließt sich das Projekt GDE-V an das bereits für die GDE-N zugrunde gelegte Verfahren an, den Sprachvergleich über funktionale Vergleichsgrößen als tertia comparationis durchzuführen. Die Identifikation und Validierung der funktionalen Vergleichsgrößen (wie funktionale Domänen, semantisch-funktionale Kategorien o. Ä.) erfolgt – unter Einbeziehung einschlägiger Literatur aus der Sprachtypologie und Universalienforschung ­– durch vergleichende Untersuchung einzelsprachlicher Strukturen und Phänomene auf der Grundlage theoretischlinguistischer Erkenntnisse und korpuslinguistischer Methoden.

Eine Definition und Strukturierung der funktionalen Kerndomänen für den Bereich der Verbgrammatik wurde in dem typologisch fundierten Modell von Kutscher (2014) vorgeschlagen. Aufbauend auf diesem Modell werden im GDE-V-Projekt Kontraste der Verb­grammatik in ausgewählten Vergleichssprachen am domänenübergreifenden Querschnittsthema Dimensionen propositionaler Strukturen neu ausgerichtet und erarbeitet; dieses Thema involviert in komplex aufeinander bezogener Weise die typologisch relevanten Domänen Sachverhaltskonstituierung (Komplementierung), -einordnung (Finitheit/Temporalität) und -bewertung (Modalität).

Die Einzeluntersuchungen werden empirisch-methodisch durch korpusbasierte bzw. korpusgesteuerte Untersuchungen fundiert. Als Datengrundlage dienen elektronische (Referenz)korpora geschriebener Gegenwartssprachen: monolinguale (National)korpora sowie bi- und multilinguale Parallel- und Vergleichskorpora, die idealerweise morphosyntaktisch annotiert sind. Das Heranziehen von Original- und Übersetzungstexten zum Sprachvergleich soll erlauben, Sprachen aus verschiedenen Blickwinkeln zu vergleichen bzw. die Divergenzen und Konvergenzen zwischen verschiedenen Sprachen auf verschiedenen Ebenen (der konzeptuellen und der sprachsystemischen Ebene) aufzudecken. (Normierte) Korpusdaten werden insbesondere zur Messung der Distanz zwischen den Vergleichsprachen bzw. zwischen den einzelnen Merkmalen in den Vergleichssprachen benutzt. Der hierzu zugrundeliegende Ansatz stützt sich auf die sogenannte Distributionshypothese, die besagt, dass sprachliche Einheiten (herkömmlich Wörter), die in den gleichen Kontexten vorkommen bzw. verwendet werden (das heißt, die gleiche Distribution aufweisen), eine ähnliche Bedeutung bzw. Funktion haben. Aufbauend auf der Distributionshypothese werden die Distributionsprofile der zu vergleichenden (auch nicht-lexikalischen) Entitäten als Vektoren in multidimensionalen Räumen repräsentiert und mit Hilfe geeigneter Messverfahren die Abstände zwischen den Vektoren bestimmt. Auf der Grundlage verschiedener Metriken werden hierarchische Clusteranalysen durchgeführt und validiert und die Korrelationen zwischen einzelnen Kontexten ermittelt (Trawiński 2016a, b). Die Ergebnisse der Clusteranalysen sollen zum einen die Kontrastsprachen nach ihrer Ähnlichkeit klassifizieren und zum anderen ermöglichen, konkrete Ansatzpunkte für neue Hypothesen abzuleiten und gegebenenfalls qualitative Analysen gezielt zu initiieren. Korpusorientierte Analysen werden durch weitere empirische Methoden wie Elizitation und Experimentation komplementiert bzw. validiert.

Eine wichtige Komponente der GDE-V wird die Dokumentation und Bereitstellung der empirischen Basis für die linguistische Hypothesen(bildung) und Generalisierungen im Projekt bilden. Diese wird in Form einer in TEI P5 implementierten funktional orientierten Datenbank von einschlägigen Parallelsequenzen des Deutschen und anderer europäischer Sprachen in CoMParS (Collection of Multilingual Parallel Sequences) realisiert.