Brücken schlagen: zur Semantik der Konnektoren

Bericht von Anna Volodina

IDS-Kolloquium am 6. und 7. Dezember 2002

Brücken sind besondere Wege. Sie führen getrennte Ufer zusammen, stellen eine Verbindung zwischen „Binnenland“ und „Außenwelt“ her, bringen das Weitentfernte möglichst näher. In diesem Sinne sind Konnektoren, Satzverknüpfer Brücken zwischen den Sätzen, die sie verbinden. Die Idee, eine Brücke zwischen dem am Institut für Deutsche Sprache laufenden Projekt „Handbuch der deutschen Konnektoren“ (HdK) und externen Experten dieses Fachgebietes zu schlagen, wurde im Rahmen eines Kolloquiums am 6. und 7. Dezember 2002 in Mannheim erfolgreich realisiert: Der Projektgruppe ist es gelungen, nicht nur in einen intensiven Meinungsaustausch mit den eingeladenen Spezialisten im Bereich der Konnektorensemantik zu treten, sondern auch Brücken zwischen verschiedenen Beschreibungsebenen der Konnektoren zu bauen.

Ein Fundament für den Brückenbau

Die HdK-Projektgruppe, die als vierköpfiges Team unter der Leitung von Renate Pasch, verstärkt durch Hardarik Blühdorn, Eva Breindl und Ulrich H. Waßner in der Abteilung „Grammatik“ des IDS arbeitet, beschäftigt sich mit den Eigenschaften satzverknüpfender Einheiten des Deutschen. Den Gegenstand ihrer Arbeit bilden Konjunktionen, relationale Adverbien und Partikeln, die in der sprachwissenschaftlichen Literatur auch als „Konnektoren“ bezeichnet werden. „Ihre Bedeutung setzt mindestens und im Normalfall die Bedeutungen zweier Sätze zueinander in eine spezifische Relation, welche eine spezifische Beziehung zwischen den von den Sätzen beschriebenen und bezeichneten Sachverhalten identifiziert und dadurch einen spezifischen Aspekt realisiert, der als Texte intendierten geäußerten Ausdrucksfolgen zukommt“ (aus: Pasch, Renate / Brauße, Ursula / Breindl, Eva / Waßner, Ulrich Hermann 2003)

Im Anschluss an die Begrüßung der Teilnehmer und Gäste des Kolloquiums durch den Institutsdirektor Ludwig M. Eichinger sprach die Abteilungsleiterin Gisela Zifonun über die unterschiedlichen Ansätze der Autoren der dreibändigen „Grammatik der deutschen Sprache“ (GDS), die von Mitarbeitern derselben Abteilung 1997 herausgegeben wurde und der des Handbuchs, das als ihre Ergänzung geplant wurde: Die Konnektoren werden in der GDS primär nach semantischen Grundfunktionen kategorisiert, die eine Differenzierung der Term- und Adverbialsätze nach ihrer Verknüpfungsart ermöglichen. Das Anliegen des HdK-Projekts ist grundsätzlich anders, und zwar durch eine feinere, tiefergehende syntaktische Subklassifizierung der Konnektoren nach distributionellen Gemeinsamkeiten eine nicht-traditionelle Lösung für die Beschreibung dieser Einheiten zu finden und die so gebildeten Subklassen auch für die lexikographische Beschreibung nutzbar zu machen. Ergänzend zur Grammatik soll das „Handbuch“ syntaktische Informationen zu einzelnen Konnektoren liefern, die – verknüpft mit ihrer semantischen Klassifizierung – nötig sind für einen korrekten Gebrauch dieser Einheiten im Deutschen.

Eine Brücke zwischen Syntax und Semantik

„Nun haben wir einen Grund zu feiern: der erste Band ist druckfertig“, fasste Projektleiterin Renate Pasch in ihrem Eröffnungsvortrag den Stand der Arbeit zusammen. Der bereits abgeschlossene erste Teil des „Handbuchs“ zur Syntax der deutschen Konnektoren, der demnächst im Verlag de Gruyter (Berlin) erscheint, umfasst ca. 1000 Seiten. Das Handbuch versteht sich als Kompendium grammatischen und pragmatischen Wissens über die deutschen Konnektoren, das für Germanisten und Typologen, Grammatiktheoretiker und Computerlinguisten, Lexikologen und Lexikographen, also für den wissenschaftlich interessierten Leser bestimmt ist. Der fertiggestellte Band geht auf hierarchisch-syntaktische, topologische und intonatorische Eigenschaften von Konnektorbasisfunktionen ein, ferner auch auf die syntaktischen Konnektorenklassen, soweit sie auf der Grundlage von Gemeinsamkeiten bestimmter Konnektoren bezüglich dieser Eigenschaften gebildet werden können. Dabei werden auch die zugrunde gelegten Begriffe und verwendeten Termini, die für die Beschreibung der Gebrauchsbedingungen von Konnektoren relevant sind, eingeführt und erläutert. Seit einem Jahr läuft parallel zu den endredaktionellen Korrekturarbeiten am ersten Band eine neue Projektphase zur Konnektorensemantik. Damit schlägt die Projektgruppe eine Brücke von der Syntax zur Semantik der Konnektoren.

Ein kurzer Rückblick der Projektleiterin auf die achtziger Jahre ermöglichte auch Nichteingeweihten, den weiten Weg von der Idee bis zum Abschluss des ersten Bandes mitzuverfolgen. Es begann mit kleineren Beiträgen zur Funktionswörter- und Satzmodusproblematik von Ursula Brauße und Renate Pasch am Zentralinstitut für Sprachwissenschaft (ZISW) der Akademie der Wissenschaften der DDR. Eine langjährige produktive Zusammenarbeit mit Ewald Lang, der das Interesse an dieser Thematik teilte, führte im Endeffekt zu der Idee, ein konzeptionell neuartiges Handbuch zu erarbeiten. Der Vorschlag von Brauße und Pasch an die Leitung des IDS Mannheim wurde 1993 als Satellitenprojekt „zwecks Vertiefung der Darstellung spezieller Wortschatzbereiche“ zur dreibändigen IDS-Grammatik angenommen.

Nach dem Bericht der Projektleiterin sprach Ewald Lang (Berlin) über weitere Perspektiven und Schnittstellen bei der Konnektoren-Beschreibung, die im Ausblick auf die noch zu erwartenden Teile des HdK zu problematisieren sind. Er wies auf die Notwendigkeit einer neuen Betrachtungsweise der Konnektoren hin, wobei die Interaktionsbereiche von Syntax und Satzsemantik, Konnektoren-Bedeutung und ihre Diskursanbindung sowie die semantischen Differenzierungen und Ableitung einer Äußerungsbedeutung der Konnektoren besonders zu berücksichtigen seien. Im zweiten Teil des Vortrags illustrierte Lang mit zahlreichen Beispielen die Schnittstelle zwischen Semantik der Konnektoren und Prosodie als einen der Interaktionsbereiche, die bei der Konnektoren-Beschreibung bisher stiefmütterlich behandelt wurden. Indem er das Akzent­muster des Mustersatzes Mein Vater ist ernsthaft krank/meine Mutter geht arbeiten variierte und die sich ergebenden Auswirkungen auf die Semantik untersuchte, führte Lang vor, wie es bei gleichbleibender Syntax in ein und demselben Satz unter Einfluss der Prosodie zu unterschiedlichen semantischen Lesarten kommt, genauer gesagt zu Interpretationskomponenten (etwa Feststellung der Konzessivität bei und, aber, Kausalität bei und), die im Konnektor nicht lexikalisch kodiert sind.

Aus einem ganz anderen Blickwinkel, und zwar vom Standpunkt der logischen Semantik aus, betrachtete Ingolf Max (Leipzig) die Problematik der Konnektoren-Beschreibung. Operierend in den Begriffen der formalen Logik analysierte er die im Handbuch vorgeschlagenen verfeinerten Kriterien der Konnektorklassifikation. Dabei ging er insbesondere auf die spezifische semantische bzw. pragmatische Kontexteinbettung von Assertionen und Präsuppositionen ein. Er bemängelte die übliche Darstellung semantischer Formen in linearisierter Form, die gleich mehrere Probleme auf der Satz- und Diskurs­ebene mit sich bringt. Einen fruchtbaren Ansatz zur Lösung dieses Problems sieht Max in einem „unreduziert mehrdimensionalen“ Beschreibungsmodell, in dem sich gegenüber dem traditionellen eine Vielzahl von Folgerungsbegriffen unterscheiden lässt.

Eine Brücke zwischen Temporalität und Konditionalität

Daran, dass zwischen Temporalität und Konditionalität eine enge Verbindung besteht, gibt es keinen Zweifel. Die Wissenschaftler auf dem Kolloquium beschäftigte daher die Frage, wie es zu nichttemporalen semantischen Varianten von ursprünglich temporalen Konnektoren kommt, was sie miteinander verbindet und was sie voneinander unterscheidet.

Dass der Interpretationsraum des in erster Linie temporalen Konnektors bevor, im Vergleich zu nachdem, weitaus variantenreicher ist und neben den konditionalen und kausalen auch eine häufig vorkommende deontisch-konditionale (finale) Gebrauchsvariante bietet, konnte Hardarik Blühdorn (IDS) anhand zahlreicher Belege aufzeigen. Außerdem stellte er am Beispiel der oben erwähnten Konnektoren sein Beschreibungsverfahren für ihre Grundbedeutung vor, das aus seiner Sicht auf beliebige Konnektorklassen anzuwenden sei. Den Kern seiner Theorie bildet die Unterscheidung nach drei Dimensionen der semantischen Variation von Konnektoren: nach ihrer Relatklasse, der Komplexität der Relationsformel und dem Typ der Relation dem situierten (lokalisierten) Objekt und einem Bezugsobjekt.

In Anlehnung an Blühdorns Ansatz, verknüpft mit aktuellen Diskurstheorien, etwa von Asher (1993) oder Webber et al. (1999), befasste sich Frank Schilder (Hamburg) mit der lexikalischen und diskurssemantischen Bedeutung von temporalen Konnektoren, die er durch topologische Relationen (Proximität und Distalität) bestimmte. Da reine Vor-, Gleich- und Nachzeitigkeit für die Beschreibung der temporalen Konnektoren nicht restriktiv genug ist, brachte er temporale Relationen in Verbindung mit der Diskursverankerung. Vor diesem Hintergrund untersucht Schilder Verwendungsbereiche der temporalen Konnektoren mit dem Ziel, deren Semantik für die automatische Bestimmung der zeitlichen Bezüge in der computergesteuerten Textproduktion anzuwenden. Neben den Subjunktoren bevor, nachdem, als und wenn wurden auch die Adverbien davor, anschließend, danach, dann und damals in die Analyse einbezogen.

Horst Lohnstein (Köln) schlug im Rahmen einer formalen Semantik Quantifikationsstrukturen als Bedeutungsexplikationen für Konnektoren vor. Die zentrale These seines Vortrags lautete, dass sich Bedeutungen verschiedener Konnektoren aus einer allgemeinen, abstrakten Quantifikationsstruktur durch geeignete Parametrisierung einzelner Komponenten (All- vs. Existenz-Quantifikation, Welt- vs. Zeitvariable, Beschränkungen über die Hintergründe, intensionalisierte vs. extensionalisierte Konnekte) ableiten lassen. Lohnstein zeigte dies am Beispiel konditionaler, kausaler und temporaler Konnektoren falls, sofern, sooft, sobald, sowie vor allem an wenn, weil und während. Bedeutungsvarianten einzelner Konnektoren, z.B. die temporale und adversative Bedeutung von während, lassen sich im Rahmen dieses Ansatzes systematisch erfassen. Während die temporale Bedeutung damit erklärt wird, dass das Zeitintervall des im Hauptsatz ausgedrückten Ereignisses innerhalb des Zeitintervalls des im Nebensatz ausgedrückten Ereignisses liegt, wird bei der adversativen Bedeutung ein inhaltlicher Kontrast zwischen Haupt- und Nebensatz ausgedrückt.

Eine Brücke zwischen Adversativität und Konzessivität

Gerade bei den adversativen und konzessiven Konnektoren stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Konnektorbedeutung und Relationsbedeutung aufgrund der notorisch vagen, relationsübergreifenden Bedeutung von Konnektoren wie und oder aber besonders scharf.

Den stimmungsgebenden Auftakt des zweiten Kolloquiumstages schaffte Eva Breindl (IDS) mit ihrem Beitrag zu diesem Thema, in dem sie die Triade der Relationen Additivität-Adversativität-Konzessivität in ihren prototypischen Vertretern und – aber – obwohl beleuchtete und auf einer Skala zunehmender formal-syntaktischer und semantischer Komplexität (Merkmalsanreicherung, stärkere Dependenz der Relate) anordnete. Sie kam zu folgenden Ergebnissen: Adversative, additive und konsekutive Konnektoren und die durch sie hergestellten Verknüpfungen lassen sich als zunehmend grammatisch und abnehmend pragmatisch beschreiben. Die syntaktische Verknüpfung zwischen den Konnekten ist umso enger, je komplexer die Konnektorbedeutung und damit die semantische Relation zwischen den Konnekten ist. Von allen Konnektoren hat und den breitesten Interpretationsspielraum und unterscheidet sich darin von den übrigen Vertretern der additiven und adversativen Relation, die semantisch deutlich stärker spezialisiert sind. Am Beispiel von aber erarbeitete Breindl eine feine jedoch aus ihrer Sicht nur exemplarische Gliederung der Kontrastrelation, die die unterschiedlichen aber-Varianten auf typisierbare Verwendungskontexte im Sinne von „leicht identifizierbaren Nestern“ zurückführt. Die Bedeutung von aber selbst ist in allen Verwendungen konstant.

Der Frage, ob zwischen der Morphosyntax der konzessiven Konnektoren und der Semantik der von ihnen kodierten Relation ikonische Beziehungen vorliegen, ging Claudio Di Meola (Rom), der persönlich verhindert war, nach. Er zeigte empirisch, dass die morphosyntaktische Komplexität der Konnektoren die semantische Komplexität der Konzessivrelation ikonisch widerspiegelt. Demzufolge kann die Konzessivrelation neben dem „zentralen“ faktischen Wert auch andere Werte wie konditional, quantitativ-skalar oder pragmatisch annehmen. Neben dem Abbau von Ikonizität, der auf Desemantisierung im Rahmen des allgemeinen Grammatikalisierungsprozesses zurückzuführen ist, findet jedoch zugleich ein gegenläufiger Aufbau von Ikonizität statt. Mit ihrer fortschreitenden Desemantisierung verwandeln sich Konnektoren in funktionale Einheiten mit rein morphologischer und syntaktischer Funktion.

Dass das entstehende „Handbuch der deutschen Konnektoren“ auch für die Computerlinguisten von Interesse ist, verbindet sich mit einem praktischen Anliegen, in der automatischen Textgenerierung systematisch Paraphrasen produzieren zu können. Im folgenden Vortrag von Manfred Stede (Potsdam) wurde deutlich, dass eine sogenannte „detaillierte Gebrauchsbedingung“ für Diskursmarker bzw. Konnektoren, die ihr semantisches, syntaktisches und pragmatisches Verhalten beschreibt, ein Grundstein für die Realisation eines solchen Programms für komplexe Sätze ist. Durch Ersatzproben bezüglich der für die Untersuchung ausgewählten kontrastiven Marker aber, doch, jedoch, allerdings, dennoch und hingegen stellte er Äquivalenzklassen von Kontexten fest, in denen bestimmte Konnektoren dieser Reihe stehen können, andere jedoch nicht. So können zum Beispiel aber, doch und jedoch einander in aller Regel ersetzen, bei hingegen und dennoch führt eine Ersatzprobe zur Bedeutungsveränderung. Abschließend zeigte Stede an einem konkreten Beispiel, wie die gewonnene Erkenntnis in der Praxis, im Textgenerierungsprozess, anzuwenden ist.

Eine Brücke zwischen Kausalität und Konditionalität

Ein wichtiges Problem der Konnektorensemantik ist die Frage, ob Kausalität als logisch-semantische Kategorie ein komplexer Fall der Konditionalität oder Konditionalität umgekehrt eine Art der Kausalität ist.

Joachim Ballweg (IDS) sah einen Beitrag zur Lösung in der formalen Explikation sowohl der kausalen als auch der konditionalen Relation. Im ersten Teil seines Vortrags stellte er eine modelltheoretische Analyse der Ursache-Wirkung-Beziehung vor, die auch auf die Konditionalrelation anzuwenden sei. Im Anschluss an die Analyse der konditionalen Relationen von David Lewis schlug Ballweg eine darauf aufbauende Definition der kausalen Relation vor, die darauf hinausläuft, dass ein Ereignis a Ursache für ein Ereignis b genau dann ist, wenn b nicht vor a liegt (temporal), a Bedingung für b ist (konditional) und es nicht der Fall ist, dass nicht-a Bedingung für b ist. Der so gewonnene Kausalbegriff ist sowohl in naturwissenschaftlichen Zusammenhängen als auch für eine Analyse von weil zu stark. Deshalb muss er wahrscheinlichkeitstheoretisch abgeschwächt werden.

Lassen sich verschiedenartige Verwendungen von wenn unter einem Begriff zusammenfassen? Diese Frage stellte, mit der im Deutschen üblichen, aber irreführenden Bezeichnung „Konditionalsatz“ unzufrieden, Ekkehard Eggs (Hannover). Aufgrund der Analyse einer Fülle von Beispielen machte er den Vorschlag, eine Grundbedeutung für wenn <o:p></o:p> festzulegen, die er mit dem Terminus thetisch bezeichnet: mit der wenn-Konstruktion wird ein Sachverhalt gesetzt. Alle übrigen wenn zugeschriebenen Bedeutungen sind nach Eggs von dieser Grundbedeutung abgeleitet, d.h. sie sind Sinneffekte, die sich im Zusammenhang mit bestimmten syntaktischen, semantischen, pragmatischen und rhetorischen Kontextkonstellationen ergeben.

Unter dem Motto „Damit es weiter geht“ stellte abschließend Ulrich H. Waßner (IDS) einige Überlegungen zu Problemen der Konnektorensemantik vor; zugleich wies er mögliche Perspektiven für die weitere Arbeit des HdK-Projektes auf. Die Schwierigkeiten beleuchtete er in Bezug auf Finalität und finale Konnektoren wie damit näher. Die zweistellige finale Relation, der ein asymmetrisches Verhältnis zwischen den beiden Relata zugrunde liegt, besteht zwischen dem externen Konnekt, das eine Handlung denotiert, und dem im internen Konnekt (z.B. einem damit-Satz) angegebenen Sachverhalt, der als Zweck oder angestrebtes Ziel angesehen werden kann. Dabei darf die Absicht zeitlich der Handlung, andererseits aber auch der Handlungsbeginn dem Erreichen des Ziels nie folgen. Zur Wesensbestimmung der Finalitätsbeziehung ist ihre Meta-Be­ziehung zu anderen Satzrelationen zu berücksichtigen, vor allem zur konditionalen und kausalen/konsekutiven, aber auch etwa zur instrumentalen; dies führte Waßner anhand zahlreicher Belege aus den Korpora des IDS näher aus.

Brücken schlagen bedeutet auch in die Zukunft schauen. Dass die Idee des Projektes eine sichere Zukunft hat, erwies sich in den lebhaften Diskussionen im Anschluss an die Vorträge. Als Resümee lässt sich abschließend festhalten, dass der interdisziplinäre Charakter des Kolloquiums sich bewährt hat: Unabhängig von verschiedenen semantiktheoretischen Ansätzen der Vortragenden – sei es logische, kognitive oder diskursive Semantik – gab es viele inhaltliche Berührungspunkte hinsichtlich der behandelten Problematik. So wurde gleich in mehreren Vorträgen auf das Problem der Grundbedeutung der Konnektoren und auf die Notwendigkeit der Berücksichtigung ihres polysemen Charakters eingegangen, die Einschränkungen betont, welche die möglichen Kategorien der Konnekte betreffen, auf semantische Überlappungen der Konnektoren und auf ihre Rolle im Diskurs hingewiesen. An Eigenschaften der untersuchten Relationen wurden u.a. die Dimensionen Symmetrie vs. Asymmetrie und Nähe vs. Ferne betrachtet. Dabei kristallisierten sich einige Problempunkte bei der Beschreibung der Konnektoren heraus sowie mögliche Lösungen, die im zweiten Band relevant werden. Alles in allem lässt die rundum gelungene Veranstaltung auf die nächste dieser Art gespannt sein.

Literatur

Asher, N. (1993): Reference to Abstract Objects in Discourse. (= Studies in Linguistics and Philosophy 50). Dordrecht.

Pasch, Renate / Brauße, Ursula / Breindl, Eva / Waßner, Ulrich Hermann: Handbuch der deutschen Konnektoren. Linguistische Grundlagen der Beschreibung und syntaktische Merkmale der deutschen Satzverknüpfer (Konjunktionen, Satzadverbien und Partikeln). XXIII/800 S. - Berlin / New York: de Gruyter, 2003.

Webber, B. et al. (1999): Discourse relations: A structural and presuppositional account using lexicalised tag. In: Proceedings of the 37th Annual Meeting of the ACL, Maryland, MD. S. 41-48.

Zifonun, G. et al. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. 3 Bde. Berlin/New York.

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Quellennachweis:

Volodina, Anna (2003): Brücken schlagen: Zur Semantik der Konnektoren. IDS-Kolloquium am 6. und 7. Dezember 2002. In: Deutsche Sprache 3/02. S. 280-285 - Berlin: Schmidt, 2003. (Deutsche Sprache Jahrgang 3/30)