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Organisation:

Ludwig M. Eichinger

Anna Volodina

 

 

Die Veranstaltung ist institutsöffentlich und kostenfrei, externe Interessierte werden gebeten, sich bei Frau Volodina (volodina (at) ids-mannheim.de) bis zum 25.09.16 anzumelden.

Über den Tellerrand hinaus: Konnektorenforschung aus unterschiedlichen Blickwinkeln


29. – 30. September 2016

IDS Vortragssaal

Kolloquium

Zwei Jahre nach dem Erscheinen des zweibändigen „Handbuchs der deutschen Konnektoren“ (Breindl/Volodina/Waßner 2014: HDK 2) zur Semantik der deutschen Satzverknüpfer laden wir Vertreter verschiedener mit der Linguistik verwandten Disziplinen ein, zusammen den Blick auf ein und denselben Gegenstand – Konnektoren(semantik) – zu richten und aus der Perspektive des eigenen Faches einen Vortrag zu halten, der über den „Tellerrand“ von HDK 2 hinausgeht.

Die Bandbreite von Themen und methodischen & theoretischen Fragestellungen, die im Rahmen des Kolloquiums diskutiert werden sollen, ist sehr vielfältig, was ausdrücklich erwünscht ist: Treffen nämlich unterschiedliche Sichtweisen aufeinander, wird der intensive disziplinäre und interdisziplinäre Austausch von Ideen angeregt und die wissenschaftliche Forschung gefördert. Damit möchten wir gezielt auch den wissenschaftlichen Nachwuchs ansprechen und Doktorandinnen & Doktoranden des IDS zum Kolloquium einladen, die an den interdisziplinären Fragestellungen interessiert sind und auch wissen wollen, mit welchen Methoden in der Konnektorenforschung aktuell gearbeitet wird.

Programm

Stand 10.09.2016

Do. 29.09.2016


12.00 bis 13.00

Warm up für eingeladene Kolloquiumsteilnehmer

13.00– 13.30

Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger (IDS):
Begrüßung und Einleitung

13.30 – 14.15

Prof. Dr. Gisela Zifonun (IDS/Angelbachtal)

Konnektoren sind im „Handbuch der deutschen Konnektoren“ (HdK) definiert als eine Klasse von Funktionswörtern, die semantische Relationen zwischen Paaren von Sachverhalten ausdrücken. Hinzu kommen fehlende Flektierbarkeit und fehlende Kasusrektion als morphosyntaktische Beschränkungen. Diese – angesichts des Gegenstandsumfanges durchaus sinnvolle – Beschränkung geht vor allem zu Lasten der Betrachtung von Präpositionen, aber auch von Adjunktoren wie als und wie. Auf den engen grammatischen Konnex zwischen Konnektoren und Präpositionen wird im HDK natürlich an vielen Stellen hingewiesen – sowohl in HDK 1 als auch vor allem in HDK 2. Systematisch kann den Zusammenhängen jedoch im HDK nicht nachgegangen werden. In dem Vortrag werden den verschiedenen Konnektoren-Subklassen mögliche „Verwandte“ innerhalb und außerhalb der Makroklasse Konnektor zugeordnet: Subjunktoren (als Konnektor-Subklasse) wie seit oder während stehen neben gleichlautenden Präpositionen und neben Adverbien (als Konnektor-Subklasse) wie seitdem und währenddessen. [mehr als pdf]

14.15 – 15.00

Prof. Dr. Eva Breindl (Universität Erlangen)

Für die Kodierung propositionsverknüpfender semantischer Relationen wie Additivität, Adversativität, Kausalität etc. steht im Deutschen wie in vielen anderen Sprachen ein reichhaltiges Inventar von Konnektoren unterschiedlicher syntaktischer Kategorien zur Verfügung. Manche semantischen Relationen müssen jedoch nicht explizit kodiert werden, da sie kontextuell oder auf der Basis von Weltwissen erschließbar sind (so z.B. ikonische Relationen wie temporale oder kausale Sequenz). Ob diese Relationen dann von Schreibern explizit ausbuchstabiert werden, unterliegt wiederum einzelsprachspezifischen und individualstilistischen Normen (vgl. Fabricius-Hansen 2004, Rosén 2007). Der Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund die Kodierung satzverknüpfender Relationen bei fortgeschrittenen Lernern des Deutschen als Fremdsprache mit unterschiedlicher L1. Die Analyse des Lernerkorpus zeigt im Vergleich zu einem muttersprachlichen Kontrollkorpus, dass Lerner von den Mustern der Muttersprachler quantitativ und qualitativ abweichen. Diese Abweichungen sollen beschrieben und mögliche Erklärungen diskutiert werden.

Der Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund die Kodierung satzverknüpfender Relationen bei fortgeschrittenen Lernern des Deutschen als Fremdsprache mit unterschiedlicher L1. Die Analyse des Lernerkorpus zeigt im Vergleich zu einem muttersprachlichen Kontrollkorpus, dass Lerner von den Mustern der Muttersprachler quantitativ und qualitativ abweichen. Diese Abweichungen sollen beschrieben und mögliche Erklärungen diskutiert werden.[mehr als pdf]

15.00 – 15.30

Kaffeepause

15.30 – 16.15

Prof. Dr. Óscar Loureda (Universität Heidelberg)

Nicht alle Äußerungen erfordern den gleichen Verarbeitungsaufwand. Wenn Äußerungen anhand von inferentiellen Komputationen interpretiert werden können, dann wäre zu erwarten, dass den Sprachen spezifische Mittel zur Verfügung stehen, um den kognitiven Aufwand eines Empfängers während des Informationsverabeitungsprozesses zu verringern. Konnektoren haben eine solche Funktion: Gemäß ihrer unterschiedlichen morphosyntaktischen, semantischen und pragmatischen Eigenschaften steuern sie die Inferenzen in der Kommuniktation. Diese Definition fußt auf die Tatsache, dass nicht alle linguistischen Einheiten auf die gleiche Art und Weise zum Interpretationsprozess beitragen. [mehr als pdf]

16.15 – 17.00

Dr. Ulrich Hermann Waßner (IDS)

Im Projekt Korpusgrammatik – grammatische Variation im standardsprachlichen und standardnahen Deutsch des IDS wird derzeit die Wortbildung bearbeitet. Hier werden u.a. Erkenntnisse und weiterführende Fragestellungen berücksichtigt, die sich aus dem Ende 2014 abgeschlossenen Projekt zur Semantik der deutschen Konnektoren ergeben haben. Im Fokus dieses Vortrags steht die Wortbildung bei den konzessiven und vor allem den negativ-konditionalen Konnektoren, untersucht anhand der IDS-Korpora geschriebener Sprache. In den gängigen Übersichten über die Wortbildung des Deutschen spielen die sog. Nebenwortarten und hier in Sonderheit die zu den Konnektoren gehörenden Wortarten eine bestenfalls marginale Rolle. Dabei sind die wenigsten Konnektoren Urschöpfungen, findet sich bei ihnen vielmehr ein reicher Schatz an angewandten Wortbildungsverfahren und sich ergebenden -mustern auch über die prototypischen Vorstellungen von Komposition, Derivation oder Konversion hinaus. Man denke hier etwa an i.w.S. phrasemartige Bildungen wie nichtsdestoweniger im konzessiven oder anderenfalls im negativ-konditionalen Bereich. Korpora können uns auf verschiedene Weisen helfen, hier eine vollständigere Beschreibung zu erreichen. Auf zwei dieser Möglichkeiten wird in diesem Vortrag eingegangen. [mehr als pdf]

17.00 – 17.30

Kaffeepause

Fr. 30.09.2016


9.30 – 10.15

Dr. Anna Volodina (IDS)

In meinem Vortrag geht es um das Ergebnis einer großangelegten Korpusstudie (auf der Basis von DeReKo-Release 2015), die ein ganz spezielles Verhalten von den Partizipien wie „angenommen“ und "vorausgesetzt" als satzverknüpfende Einleiter von Konditionalsätzen untersucht. In dieser Funktion wurden sie als ‚konditionale Verbzweitsatzeinbetter’ im Handbuch der deutschen Konnektoren (HDK 2003, HDK2 2014) beschrieben: Sie haben zwar ebenfalls wie die klassischen V2-Nebensätze mit weil, obwohl oder wobei ihr VL-Pendant, sind aber in Korpora geschriebener Sprache fast ausschließlich als V2-Strukturen belegt.. [mehr als pdf]

10.15 – 10.45

Kaffeepause

10.45 – 11.30

Prof. Dr. Maria Thurmair (Universität Regensburg)

Der Beitrag soll sich mit dem Verhältnis zwischen (Modal-)Partikeln und Konnektoren beschäftigen. Diskutiert werden soll dabei insbesondere die Frage, inwieweit und wie die einzelnen Modalpartikeln zur Bedeutung der Sätze beitragen und ob sie wie Konnektoren fungieren und Relationen anzeigen können – eine Frage, die in der Literatur durchaus kontrovers diskutiert wird (man vgl. nur HDK 1 und HDK 2 zu diesem Punkt). Betrachtet werden soll dabei zum einen die Gruppe der MPn als ganze, sowie exemplarisch doch und auch.

11.30 – 12.15

Prof. Dr. Fabricius-Hansen, Cathrine (Universität Oslo)

Adverbkonnektoren (im Sinne der HDK) lassen sich z.T. als explizite (obligatorische oder optionale) Marker von Diskursrelationen auffassen (Zeevat 2010). Um dies zu veranschaulichen, werden typischerweise „Minitexte“ der unten spezifizierten und durch (1)-(2) exemplifizierten Art mit entsprechenden Satzfolgen ohne Konnektor verglichen (Fabricius-Hansen 2000).
Minitexte mit Adverbkonnektoren (AK-Minitexte)
• bestehen aus zwei einfachen, juxtaponierten („parataktisch“ verknüpften) selbstständigen Sätzen, S1 und S2; Minitexte mit Adverbkonnektoren (AK-Minitexte)
• S2 enthält einen Konnektor K, d.h. S2 ist nach HDK das „interne“ Konnekt („Trägerkonnekt“) von K ;
• K ist der einzige Konnektor in S2;
• S1 dient in der HDK-Terminologie als „externes“ Konnekt („Bezugskonnekt“) von K. von K.
[mehr als pdf]

12.15 – 12.30

Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger (IDS)
Schlusswort

12.30 – 13.30

Kaffee

 

 

Ende der Veranstaltung