Diskurs – ethisch

8. Jahrestagung des Tagungsnetzwerks 'Diskurs – interdisziplinär'

Institut für Deutsche Sprache, Mannheim

15. bis 17. November 2018

(Organisation: Heidrun Kämper, Ingo H. Warnke)

 

Das Tagungsnetzwerk ‚Diskurs – interdisziplinär‘ bietet jährlich ein Forum, in dem die Perspektive ‚Diskurs‘ fachspezifisch und fachübergreifend, disziplinär, trans- und interdisziplinär, je gegenstandsbezogen reflektiert und diskutiert wird. Diese Idee setzt voraus, dass eine zentrale, die Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften verbindende Aufgabe in der Beschreibung und Erklärung der Bedeutung von Diskursen und ihrer Funktionen in der Gesellschaft besteht.

Der Gegenstand der 8. Jahrestagung des Netzwerks ist die Ethik des Diskurses.

Viele gesellschaftliche und politische Diskurse unserer Gegenwart erfahren eine hohe, vor allem auch medial reflektierte Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, weil sich zunehmend und erneut im politischen Rechtsaußen und in den sog. sozialen Medien Redeweisen (re)etablieren, die tradierten Vorstellungen zur Art und Weise des angemessenen Sprechens strikt entgegenlaufen. Die Abweichung wird wahrgenommen, weil sie als Norm- und Regelbruch erscheint, wenn nicht sogar als solcher inszeniert ist, und sich in der Aufkündigung eines gesellschaftlichen Konsenses gefällt. Dieser Konsens entspricht einer „Menge von Normen, also Prinzipien, Regeln und Tugenden, die das Verhalten von Menschen und deren Einstellungen zu anderen und zur Umwelt leiten“, wobei es mit Blick darauf nicht nur um Fragen einer normativen Ethik gehen kann, sondern auch um Metaethik, also um Fragen zur „Analyse der Bedeutung grundlegender Begriffe der Ethik“ (Pauer-Studer 2010: 12–13) selbst. Es gibt zahlreiche Bezugspunkte der normativen Ethik und Metaethik, nicht zuletzt auch auf Fragen zum Umgang mit Menschen (siehe bereits Knigge 1788) als aufklärerisches Projekt.

Der gegenwärtigen Linguistik fällt es aufgrund ihres ausgeprägten Bekenntnisses zur Deskription (vgl. Klein 2004) schwer, normatives bzw. präskriptives Denken in ihre Agenda zu integrieren. Dennoch kommen gerade diskursinteressierte Wissenschaften – darunter vor allem auch die Diskurslinguistik – nicht daran vorbei, gerade heute und mit Blick auf die Zukunft Fragen der Ethik zu erörtern. Spätestens da, wo Alternative Facts die gewohnte wissenschaftliche Rede von der kommunikativen Wirklichkeitskonstruktion eingeholt haben, kann ein naiver Bezug auf konstruktivistische Theorien nicht mehr ohne Zweifel erfolgen. Diskursanalyse muss sich neu fragen, welche Aufgaben sie verfolgen will. Nach Warnke (i.Dr.) besteht dabei eine der Aufgaben darin, die „selbstkritische Frage zu formulieren, ob poststrukturalistisch orientierte Sprachtheorie zum Begründungszusammenhang für radikale politische und soziale Manipulation durch Streuung von Unwahrheiten werden kann.“ Abgeleitet aus dieser Frage wird dabei die Forderung, das Projekt einer Ethik des Diskurses offensiv zu verfolgen.

 

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