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Gastvortrag

Hiermit laden wir alle interessierten Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und die Gäste des Instituts für Deutsche Sprache ein.

Frau Prof. Dr. Pia Bergmann (Friedrich-Schiller-Universität Jena)

hält einen Vortrag zu

Diskurseinflüsse auf lautliche Realisierungen – keine Ahnung als ein Fall von „chunking“?

Der Gedanke, dass lautliche Variation bis ins phonetische Detail hinein systematisch und Bestandteil des sprachlichen Wissens sein kann, hat in den letzten Jahren zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit phonetischen Reduktionen und konkreten lautlichen Realisierungen geführt – so etwa im Rahmen der gebrauchsbasierten Phonologie oder der Laboratory Phonology (vgl. Bybee 2001; Ernestus 2014). Aus interaktionaler Perspektive reicht das Interesse an detaillierten lautlichen Realisierungen zurück bis in die 1980er Jahre (vgl. Local et al. 1985). Hier konnte seitdem gezeigt werden, dass lautliche Realisierungsweisen systematisch mit interaktionalen Aufgaben wie unter anderem der Organisation des Sprecherwechsels, der sequenziellen Struktur oder der Präferenzstruktur verknüpft sein können (Local et al. 1985; Plug 2005; Szczepek Reed 2015).

Der Vortrag wendet sich nach einem Überblick über die verschiedenen Perspektiven auf lautliche Variation einer Fallstudie zur Realisierung der Phrase keine Ahnung zu. Diese weist wie auch ich weiss nicht ein breites Funktionsspektrum auf (vgl. Bergmann 2017; Helmer et al. 2016; Helmer & Deppermann 2017). Aufbauend auf den verschiedenen konversationellen Funktionen wird der Frage nachgegangen, ob, und wenn ja, in welcher Weise sich die lautlichen Realisierungen mit den konversationellen Funktionen und Vorkommensweisen in Zusammenhang bringen lassen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf solchen lautlichen Parametern, die einen Abbau an Grenzmarkierung zwischen den beiden Elementen keine und Ahnung hinweisen und somit Anzeichen dafür bieten, dass keine Ahnung als ein (phonologisches) Wort realisiert wird.

Zeit: Dienstag, 19. Februar 2019, 14.00 Uhr
Ort: Raum 1.28 des Instituts für Deutsche Sprache (IDS)

 

Literatur

Bergmann, P. (2017): Gebrauchsprofile von weiß nich und keine Ahnung im Gespräch – Ein Blick auf nicht-responsive Vorkommen. In: Blühdorn, H. et al. (Hrsg.): Diskursmarker im Deutschen. Reflexionen und Analysen. Göttingen: Verlag für Gesprächsforschung, 157-182.

Bybee, J. (2001): Phonology and Language Use. Cambridge: Cambridge University Press.

Ernestus, Mirjam (2014): Acoustic reduction and the roles of abstractions and exemplars in speech processing. Lingua 142, 27-41.

Helmer, H., Deppermann, A. (2017): Ich weiß nicht zwischen Assertion und Diskursmarker. Temporale in situ-Interpretation und Kriterien für Diskursmarker. In: Blühdorn, H. et al. (Hrsg.): Diskursmarker im Deutschen. Reflexionen und Analysen. Göttingen: Verlag für Gesprächsforschung, 131-156.

Helmer, H., Reineke, S., Deppermann, A. (2016): A range of uses of negative epistemic constructions in German: ICH WEIß NICHT as a resource for dispreferred actions. Journal of Pragmatics 106, 97-114.

Local, J., Wells, W. & Sebba, M. (1985): Phonology for conversation. Phonetic aspects of turn delimitation in London Jamaican. Journal of Pragmatics 9, 309-330.

Plug, L. (2005): From words to actions: The phonetics of eigenlijk in two communicative contexts. Phonetica 62, 131-145.

Szczepek Reed, B. (2015): Managing the boundary between “yes” and “but”: Two ways of disaffiliating with German ja aber and jaber. Research on language and social interaction 48, 32-57.