Lexik
Projektbeschreibung
Der Zusammenhang von Polysemie und konstruktioneller Varianz soll im Bereich deutscher Verben untersucht werden. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die meisten Verben in einer Vielzahl verschiedener syntaktischer Konstruktionen auftreten und die so entstehenden Ausdrücke sich in mehr oder weniger großem Maße in ihrer Bedeutung unterscheiden. Zu den Phänomenen, die in diesem Bereich von Interesse sind, gehören u.a. klassische Phänomene im Bereich von Valenzalternanzen/Konstruktionen wie PP-/NP-Alternanzen oder Diathesen im Bereich der Objekte dreistelliger Verben, semantische Effekte von Valenzreduktionen und Valenzerweiterungen oder auch stark idiomatisierte, lexikalisch partiell gefüllte Konstruktionen.
Projektziele und -aufgaben
Das Projekt verfolgt die folgenden drei zentralen Ziele:
- Integrierte Beschreibung von Verben und ihren Argumentstrukturmustern in einem Handbuch
- Theoriebildung im Spannungsfeld von valenz- und konstruktionsbasierten Grammatiken
- Quantitative Untersuchung der Verteilung von Verben und Argumentstrukturmustern.
Eine zentrale Aufgabe des Projekts ist es, zu zeigen, inwiefern die oft subtilen semantischen Veränderungen, die mit den konstruktionellen Alternanzen einhergehen, auf eine im Verb angelegte Polysemie oder Vagheit zurückzuführen sind oder in der Konstruktion selbst begründet liegen, und inwieweit allgemeine semantische und pragmatische Prinzipien bei der Bedeutungskonstitution eine Rolle spielen.
Eng damit verknüpft ist die Aufgabe, anhand der konstruktionellen Alternanzen den Erklärungsgehalt zweier im Aufbau grundsätzlich unterschiedlicher Grammatiktheorien zu überprüfen: valenzbasierten Grammatiken einerseits und konstruktionsbasierten Grammatiken andererseits. Verschiedene Fragen werden bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit dieser Konzeptionen eine Rolle spielen, wie etwa: (i) Wie einheitlich muss sich das syntaktische und semantische Verhalten einer Konstruktion darstellen, um auf die Darstellung valenzbasierter lexikalischer Idiosynkrasien verzichten zu können? (ii) Wie können prinzipiengesteuert sprachmögliche von sprachunmöglichen Ausdrücken in konstruktionsbasierten Ansätzen unterschieden werden? Lassen sich also, ähnlich wie man Beschränkungen über zulässige Valenzen formuliert hat, Beschränkungen für mögliche Konstruktionen formulieren? (iii) Wie lässt sich der Bedeutungsaufbau beschreiben, wenn ein Teil der Ausdrucksbedeutung nicht lexikalisch projiziert und an der syntaktischen Konstituenz orientiert kompositionell erzeugt wird, sondern durch Konstruktionsbedeutungen und deren Kombination zustande kommt? (iv) Wie identifiziert man Konstruktionen, ohne dass die Vielzahl sprachlicher Idiosynkrasien zu einer endlosen Proliferation von Sub- und Subsubvarianten von Konstruktionen verpflichten?
Die empirische und theoretische Arbeit des Projekts soll in Form eines Handbuches dokumentiert werden, in dem die im Deutschen auftretenden Konstruktionsalternanzen in ihrem Zusammenspiel mit den lexikalischen Eigenschaften von Verben syntaktisch und semantisch beschrieben werden. Es gibt zwar eine traditionsreiche valenzlexikographische Praxis, in der aber das Konstruktionspotenzial von Verben in Form von Valenzalternanzen nicht systematisch und exhaustiv erfasst wird. Das Handbuch wird diese Beschreibungslücke füllen.
Über rein belegorientierte Nachweise des Vorkommens einschlägiger sprachlicher Strukturen wird die Verteilung von Verben und Argumentstrukturmustern im Projekt auch quantitativ untersucht. Die Daten können dabei zeigen, welche Argumentstrukturmuster von einem Verb bevorzugt werden. Weiterhin können sie aufdecken, welche Verben typischerweise ein bestimmtes Argumentstrukturmuster füllen, und damit die Frage aufwerfen, ob eine Erklärung der Produktivität des Musters an diese Kernverben geknüpft ist. Schließlich kann so auch aufgezeigt werden, ob Argumentstrukturmuster in Konkurrenz stehen und möglicherweise funktionale Ähnlichkeiten aufweisen.
