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Zweite Benutzungsstudie zu elexiko

Die zweite (wie auch die erste) Benutzungsstudie zu elexiko und vergleichbaren einsprachigen deutschen Onlinewörterbüchern, deren Benutzung eine zumindest gute deutsche Sprachkompetenz voraussetzt, wurde ausschließlich auf Deutsch durchgeführt. Untersucht wurden:

  • die Funktion und die Rezeption von Belegen,
  • unterschiedliche Ansichten für lexikografischen Angaben,
  • die Verlässlichkeit automatisch ermittelter Angaben,
  • der gewünschte Ausbau der Suchfunktionen.

Die Beantwortung des Fragebogens war auf 10-15 Minuten angelegt. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, die Fragen auch für Laien verständlich zu formulieren, weshalb an vielen Stellen bewusst auf die Verwendung von Fachterminologie verzichtet wurde und viele einleitende und überleitende Seiten eingefügt wurden, die die Führung durch die Umfrage erleichtern sollten. Die weiteren Rahmenbedingungen der Studien entsprachen weitgehend den Bedingungen für die beiden allgemeinen Benutzungsstudien (vgl. Erste allg. Studie und Zweite allg. Studie). Die Befragung war vom 4. März bis 4. April 2011 freigeschaltet. Es beteiligten sich 420 Personen an der Umfrage.

Im Frageblock zur Funktion und Rezeption von Belegen hat besonders interessiert, ob die Proban-den die verschiedenen Funktionen, die Belege in den elexiko-Wortartikeln haben (z. B. Veranschaulichung, Ausgangspunkt der Bedeutungsbeschreibung, wissenschaftlicher Nachweis der Aussagen), erkennen können. Geprüft wurde aber auch:

  • Macht es für die Versuchspersonen einen Unterschied, ob die in elexiko angezeigten Belege in der Grundeinstellung geöffnet oder geschlossen sind?
  • Für welchen Angabebereich schätzen die Versuchspersonen Belege als am wichtigsten ein? (vgl. Tabelle 1)
  • Inwieweit haben Belege Einfluss auf die Verlässlichkeit von Wörterbuchangaben?
Tabelle 1: Die Wichtigkeit der Belege in verschiedenen Bereichen in elexiko (Bewertung und Index)

Angabebereich
Belege können stehen …

Bewertung (Index)

Anteil in Prozent

… in Sätzen und Konstruktionen, in denen das Stichwort typischerweise vorkommt

6,51

15,48

… bei der Bedeutungserläuterung

6,39

15,48

… bei der Verwendung eines Stichwortes in bestimmten Situationen oder Texten

6,14

11,90

… bei der Gebundenheit des Stichwortes an ein bestimmtes Thema

5,99

9,29

… bei einzelnen Mitspielerwörtern (Kollokatoren)

6,05

8,33

… bei den sinnverwandten Wörtern

6,13

7,14

… bei Angaben zum Bedeutungswandel des Stichwortes

5,48

6,67

… bei der Verwendung eines Stichwortes mit einer bestimmten Einstellung des Sprechers

5,58

5,95

… bei der Verwendung eines Stichwortes in einem bestimmten fachlichen Kontext

5,98

4,52

… bei Sachinformationen zum Stichwort

5,47

4,05

… bei den Beugungsformen (Flexionsformen) des Stichwortes

5,46

4,05

… bei schwankender Formenbildung des Stichwortes

5,44

3,33

… bei verschiedenen Schreibweisen des Stichwortes

5,05

1,19

… bei der Abkürzung zu einem Stichwort

5,06

0,48

…, wenn das Stichwort auch als Name vorkommt

4,89

0,48

… in keinem der genannten Bereiche

1,67

Die weiteren Befragungsergebnisse lassen deutlich erkennen, dass die Versuchspersonen meinen, durch die Belege werde elexiko insgesamt verlässlicher, wobei es keine Rolle spielt, ob die Belege sofort oder nur durch Aufklicken rezipiert werden können. Allerdings werden Belege häufiger gelesen, wenn sie direkt geöffnet erscheinen. Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse zu diesem Frageblock findet sich in der Publikation: Klosa, Annette/Koplenig, Alexander/Töpel, Antje: Zur Funktion und Rezeption von Belegen – Ergebnisse einer Benutzungsstudie zum Onlinewörterbuch elexiko. In: Sprachwissenschaft 37.1. S. 93-123 (auf Anfrage per E-Mail an koplenig (at) ids-mannheim.de erhältlich).

Im Frageblock zu unterschiedlichen Ansichten von lexikografischen Angaben wurde überprüft, ob die Testpersonen die alphabetische oder die frequenzorientierte Sortierung von listenförmig angeordneten Angaben (z.B. der Wortbildungsprodukte zu einem Stichwort) bevorzugen (vgl. Tabelle 2). Überprüft wurden außerdem unterschiedliche Anordnungsmöglichkeiten von Angabeblöcken (am Beispiel der Kollokatoren), nämlich deren horizontale oder vertikale Auflistung oder eine grafische Präsentation, und schließlich, ob die Testpersonen generell sofort geöffnete oder geschlossene Angabeblöcke bevorzugen.

Tabelle 2: Die bevorzugte Sortierung der Wortbildungsprodukte in elexiko

 

bevorzugte Sortierung

Testpersonen

alphabetisch

frequenzorientiert

keine Präferenz

Summe

Studierende der Sprachwissenschaften

Ja

62,50 %

32,50 %

5,00 %

100%

Nein

45,10 %

38,24 %

16,67 %

100%

Sprachwissenschaftler

Ja

38,00 %

44,00 %

18,00 %

100%

Nein

56,52 %

32,61 %

10,87 %

100%

Ausführlich werden diese und die weiteren Ergebnisse zu diesem Frageblock in der folgenden Publikation vorgestellt: Klosa, Annette/Koplenig, Alexander/Töpel, Antje: Benutzerwünsche und Meinungen zu einer optimierten Wörterbuchpräsentation – Ergebnisse einer Onlinebefragung zu elexiko. Mannheim: Institut für Deutsche Sprache, 2011. (OPAL 3/2011).

Hinsichtlich automatisch generierter Angaben hat für die Benutzungsstudie vor allem interessiert: Wird der Unterschied zwischen automatisch generierten und lexikografisch erarbeiteten Angaben bei der Wörterbuchbenutzung wahrgenommen? Für wie verlässlich werden automatisch generierte (tendenziell fehlerträchtige) Angaben gegenüber redaktionell erarbeiteten (tendenziell korrekten) Informationen eingeschätzt? Ist es wichtig, den Unterschied im Wortartikel deutlich zu machen? Leider lassen die Ergebnisse der Studie nicht zu, diese Fragen zu beantworten, da sich bei den getesteten Szenarien (automatisch bzw. redaktionell erstellte grammatische Angaben sowie automatisch bzw. redaktionell ermittelte paradigmatische Partnerwörter) eine ähnliche Verteilung in der Beurteilung der Angaben hinsichtlich ihrer Verlässlichkeit ergeben hat. Der gewählte Stimulus in diesem Experiment war offensichtlich zu niedrig, indem die gezeigten automatisch generierten Angaben in ihrer Qualität kaum von den redaktionell erarbeiteten Angaben zu unterscheiden waren. Für zukünftige empirische Projekte, die sich mit dem Umgang mit automatisch generierten Angaben auseinandersetzen, empfiehlt es sich deshalb, zunächst das in der elexiko-Studie implementierte Testszenario zu verbessern. Zu einem guten Ergebnis hat dagegen der Frageblock zum Ausbau der Suchfunktionen geführt. Es wurde deutlich, dass die Probanden generell einen Ausbau erweiterter Suchmöglichkeiten befürworten.