Erste Benutzungsstudie zu elexiko

Die erste (wie auch die zweite) Benutzungsstudie zu elexiko und vergleichbaren einsprachigen deutschen Onlinewörterbüchern, deren Benutzung eine zumindest gute deutsche Sprachkompetenz voraussetzt, wurde ausschließlich auf Deutsch durchgeführt. Untersucht wurden: 

  • der Bekanntheitsgrad und die Verwendungshäufigkeit von elexiko,
  • die Nützlichkeit der einzelnen Angabebereiche,
  • erwartete Informationen in den einzelnen Angabebereichen und erwartete Arten von Stichwörtern,
  • die Benennung der einzelnen Angabebereiche sowie Überprüfung verschiedener alternativer Benennungen.

Die Beantwortung des Fragebogens war auf 10-15 Minuten angelegt. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, die Fragen auch für Laien verständlich zu formulieren, weshalb an vielen Stellen bewusst auf die Verwendung von Fachterminologie verzichtet wurde und viele einleitende und überleitende Seiten eingefügt wurden, die die Führung durch die Umfrage erleichtern sollten. Die weiteren Rahmenbedingungen der Studien entsprachen weitgehend den Bedingungen für die beiden allgemeinen Benutzungsstudien (vgl. Erste allg. Studie und Zweite allgemeine Studie). Die Befragung war vom 4. Januar bis 4. Februar 2011 freigeschaltet. Es beteiligten sich 685 Personen an der Umfrage.

 

Zum Einstieg in den Fragebogen gab es zunächst einige Fragen zur Bekanntheit und zur Verwendung von elexiko. 147 Befragten (21,46 Prozent) ist das Onlinewörterbuch elexiko bekannt, davon haben es 117 Personen (79,59 Prozent) bereits verwendet. Allerdings verwendet es die überwiegende Mehrzahl dieser Probanden nur selten (48,72 Prozent) oder gelegentlich (42,74 Prozent). 

Die Nützlichkeit der einzelnen Angabebereiche wurde im nächsten Frageblock untersucht. Die Testpersonen scheinen dabei, allgemein gefragt und daher unabhängig von konkreten Benutzungssituationen, zunächst einmal an allen sprachlichen Bereichen interessiert, die in einem allgemeinsprachlichen monolingualen Onlinewörterbuch vorkommen können. Besonders interessiert zeigen sie sich an der Bedeutungserläuterung und den typischen Verwendungen, wobei die Abstände zu den anderen abgefragten Angabebereichen sehr klein sind (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: Bewertung der Angabebereiche hinsichtlich ihrer Nützlichkeit
Angabebereich Rang Bewertung
Bedeutungserläuterung 1,78 6,37
Typische Verwendungen 2,33
6,39
Orthografie 2,72
6,30
Besonderheiten des Gebrauchs 2,80
6,28
Grammatik 2,85
6,14
Sinnverwandte Wörter 2,87
6,06
Semantische Umgebung 3,01
5,72
Textbeispiele/Belege 3,08
6,13
verschiedene Arten von Stichwörtern 3,28
6,07
Wortbildung 3,71
5,24
Kommentare/Hinweise 3,72
5,82
Aussprache 3,96
5,63

 

 

 

Im nächsten Frageblock wurden die Erwartungen zu einzelnen Informationen (also den lexikografischen Angaben) innerhalb eines Angabebereiches abgefragt. Dabei wurde eine Kombination aus Angaben, die es bereits in elexiko gibt, und solchen, die prinzipiell ergänzt werden könnten, gewählt. Beim Angabebereich „Grammatik“ wurde beispielsweise neben aus traditionellen Bedeutungswörterbüchern vertrauten Angaben wie der Wortart oder den wichtigsten Flexionsformen die Möglichkeit, das vollständige Flexionsparadigma in einer Tabelle anzuzeigen, vorgestellt. Diese Angabe haben die Testpersonen weniger häufig erwartet als die anderen Angaben (vgl. Tabelle 2).

Tabelle 2: Erwartete Informationstypen im Bereich Grammatik (Mehrfachnennungen möglich)
Erwartete Informationstypen im Bereich Grammatik Häufigkeit
Angabe verschiedener Möglichkeiten, z.B. den Plural von Substantiven oder die Steigerungsformen eines Adjektivs zu bilden 231
Beugung (Flexion) eines Stichwortes mit den wichtigsten Formen 210
Wortart eines Stichwortes 202
Markierung dazu, wie häufig bestimmte, konkurrierende Formen (z.B. zwei unterschiedliche Pluralformen) verwendet werden 184
Vollständige Angabe der Beugung (Flexion) eines Stichwortes in Form von Tabellen 112
Sonstiges 23
Keine der genannten Informationen 4
Summe 966

Insgesamt wurde deutlich, dass besonders aus traditionellen Bedeutungswörterbüchern nicht oder kaum vertraute Angaben von den Testpersonen weniger häufig erwartet wurden als andere Angaben. Dies gilt für:

  • die Angabe häufiger Verschreibungen (z. B. orginal statt original) im Bereich der orthografischen Angaben,
  • grafische Darstellungen wie die Präsentation von Wortbildungsprodukten zu einem Stichwort in einem Wortnetz bei den Wortbildungsangaben,
  • die grafische Präsentation des Stichwortes und seiner paradigmatischen Partnerwörterbei der Angabe sinnverwandter Wörter,
  • die Angabe regionaler Aussprachevarianten (als Tonbeispiel oder in Lautschriftumschreibung) bei den Ausspracheangaben,
  • die Erklärung der Bedeutung eines Stichwortes durch eine oder mehrere Illustrationen bei der Angabe der Bedeutungserläuterung,
  • eine Information zur Verwendung des Stichwortes in Zitaten oder Titeln von Liedern, Filmen usw. bei den Angaben zu typischen Verwendungen bzw. Konstruktionen,
  • eine Information zur Verwendung des Stichwortes in einem bestimmten Thema bei den Angaben zu den Besonderheiten des Gebrauchs,
  • die Angabe eines Wortfeldes, zu dem ein Stichwort gehört, bei der Angabe der Kollokationen.

Das Ergebnis ist vor dem Hintergrund des möglichen weiteren Ausbaus von elexiko zu diskutieren, aber auch generell für allgemeinsprachige Bedeutungswörterbücher relevant. Eine Straffung der Angabestruktur von elexiko scheint jedenfalls vor dem Hintergrund der Befragungsergebnisse nicht sinnvoll zu sein, da sich in der Studie keine Anhaltspunkte dafür gezeigt haben, dass die Struktur innerhalb der einzelnen Angabebereiche tiefgreifend verändert werden müsste. In der jetzigen Form scheint die Angabestruktur von elexiko mit dem Schwerpunkt der Beschreibung von Bedeutung und Verwendung der Stichwörter viele Erwartungen der Testpersonen zu erfüllen. 

Im letzten Frageblock dieser Studie wurden schließlich die Benennung der einzelnen Angabebereiche überprüft sowie verschiedene alternative Benennungen getestet. Die Ergebnisse sprachen dafür, die einzelnen Angabebereiche in elexiko zum Teil umzubenennen. So hieß der Angabebereich „Kollokationen“ früher „Semantische Umgebung und lexikalische Mitspieler“, der Angabebereich „Konstruktionen“ hieß „Typische Verwendungen“. Ausführlich werden dieses und die weiteren Ergebnisse zu diesem Frageblock in der folgenden Publikation vorgestellt: Klosa, Annette/Koplenig, Alexander/Töpel, Antje: Benutzerwünsche und Meinungen zu einer optimierten Wörterbuchpräsentation – Ergebnisse einer Onlinebefragung zu elexiko. Mannheim: Institut für Deutsche Sprache, 2011 (OPAL 3/2011).