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Grundlagen und Ziele der Neubearbeitung

 

Notwendigkeit der Neubearbeitung

Seit dem Jahre 1990 ist die Neubearbeitung als wissenschaftliches Langzeitprojekt wesentlicher Bestandteil des Arbeitsplans des Instituts für Deutsche Sprache, Abteilung Lexik.

Die ältesten Teile des Fremdwörterbuchs, d. h. die von Schulz bzw. Basler selbst bearbeiteten, heute in mehr als einer Hinsicht veralteten Buchstabenstrecken A-K bzw. L-Q, sollen - vor allem unter dem Gesichtspunkt der Aktualität und Qualität - auf den gleichen wissenschaftlichen Stand gebracht werden wie die am Institut für Deutsche Sprache bearbeiteten Buchstabenstrecken R-Z, mit dem Ziel, ein insgesamt komplettes und einheitliches Fremdwörterbuch mit ausgeprägter wort- und bedeutungsgeschichtlicher Komponente vorzulegen.

Zentrale Aufgabe des DFWB bleibt es, den Kernbereich der geläufigen, in die deutsche Standardsprache der Gegenwart fest integrierten Fremdwörter und Fremdwortfamilien in ihrer historischen Entwicklung zu beschreiben und zu dokumentieren.

Die Notwendigkeit einer Neubearbeitung war im Grunde schon während und erst recht nach der Fertigstellung der Restbuchstaben R-Z sichtbar geworden: Denn jetzt trat die mangelnde Systematik und die Uneinheitlichkeit der ersten beiden Bände in aller Deutlichkeit hervor. Insbesondere ließen die auffällig veränderten Proportionen des Umfangs schon erkennen, dass die Fertigstellung zugleich eine Neubearbeitung war und das Werk in seinen Schlussbänden wesentliche Verbesserungen formaler und vor allem inhaltlicher Art erfahren hat. Ein Vergleich der Stichwortstrecken A sowie ein Vergleich der Stichwortstrecken G illustrieren die quantitativen Unterschiede in den Stichwortbeständen der ersten und der zweiten Auflage.

 

Stand der Arbeiten

Bisher erschienen folgende Bände:

Band I: a-Präfix - Antike

Band II: Antinomie - Azur

Band III: Baby - Cutter

Band IV: da capo - Dynastie

Band V: Eau de Cologne - Futurismus

Band VI: Gag - Gynäkologie

Band VII: habilitieren - hysterisch

 

 

Publikationsstand


Zur Zeit wird an Band VIII gearbeitet, der den Beginn des Buchstabens I enthalten wird.

 

Konzeption der Bearbeitung von R - Z


Die eigens für die Buchstaben R-Z entwickelte Konzeption zeichnete sich vor allem durch folgende Aspekte aus:

  • die Erweiterung der Belegsammlung,
  • die Systematisierung der Stichwortauswahl,
  • die Differenziertheit der Fremdwortbeschreibung,
  • die ausführliche Dokumentation der Bedeutungsentwicklung, besonders der Bedeutungsvielfalt der Fremdwörter,
  • die Bestimmung der Herkunfts- bzw. Vermittlersprachen,
  • die Unterscheidung zwischen Entlehnung (ins Deutsche) und Lehnwortbildung (innerhalb des Deutschen) und deren Morphologie,
  • die flexible und augenfällige Systematik der Artikel, wobei der erläuternde Artikelteil (Artikelkopf) in weitgehend standardisierte Informationspositionen aufgegliedert und der Belegteil, jeweils der Gliederung des Kopfes entsprechend, übersichtlich strukturiert ist,
  • die Vermehrung der Textbelege mit dem Ziel einer differenzierten Darstellung der Wort- und Bedeutungsgeschichte.


Mit der Anwendung dieser Prinzipien auf die lexikographische Praxis haben die Schlussbände III-VI deutliche Maßstäbe gesetzt, die dem heutigen Stand germanistischer Wörterbucharbeit entsprechen und dem Anspruch eines wissenschaftlichen Dokumentationswörterbuchs gerecht zu werden vermögen: Hinsichtlich der Prinzipien der Bearbeitung können die Bände III-VI den Neubearbeitern daher als Vorbild dienen.


Konzeption der Neubearbeitung

Das Projektteam orientiert sich bei der Neubearbeitung an zwei grundlegenden Bezugspunkten:

Einerseits ist durch die weitgehende Beibehaltung der Schulz/Baslerschen Grundkonzeption eines historischen Auswahlwörterbuchs der Fremdwörter im Deutschen ein allgemein gültiger Rahmen abgesteckt. Auch die Neubearbeitung nimmt ihren Ausgang in der Gegenwart und zeichnet die Bedeutungsgeschichte des fremdsprachlichen Wortschatzes entwicklungsbezogen, d. h. unter besonderer Berücksichtigung der wortgeschichtlich relevanten Anfangs- und Wendemarken, nach. Als historisches Bedeutungs- und Belegwörterbuch dokumentiert es korpus- und textgestützt, d. h. getragen von authentischen (besonders auch literarischen) Kontextbelegen, den Prozess der fortschreitenden Integration der Fremdwörter und beschreibt ihren semantischen Wandel seit dem jeweiligen Entlehnungszeitpunkt (meist im neuhochdeutschen Zeitraum von etwa 1450 bis zur unmittelbaren Gegenwart).

Andererseits fällt der Neubearbeitung die Aufgabe zu, besonders in mikrostruktureller Hinsicht möglichst nahtlos an den mit der Buchstabenstrecke R-Z erreichten Standard und die dabei entwickelten Bearbeitungsprinzipien anzuknüpfen. Dabei soll auch der Stand der hier einschlägigen Wissenschaftsdisziplinen (z. B. historische Fremdwortforschung, historische Semantik) in angemessener Weise reflektiert und deren Ergebnisse in die lexikographische Darstellung so weit wie möglich einbezogen werden. In der Anknüpfung an die Schlussbände liegt zugleich die Gewähr für die Kontinuität und Homogenität und nicht zuletzt für die Qualität des Gesamtwerkes.

(Vgl. dazu das Vorwort in Band I der Neubearbeitung)

 

Retrodigitalisierung


Seit 2014 wurde in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Projekts OWID (Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch) an der Retrodigitalisierung sämtlicher bisher erschienener Bände sowohl der ersten als auch der zweiten Auflage des DFWB gearbeitet. Im April 2016 wurden zunächst die bisher erschienenen Bände der Neuauflage über das Portal OWID des IDS freigeschaltet. Damit stehen sämtliche Wortartikel der Buchstabenstrecke A – H aus der zweiten Auflage online zur Verfügung, also rund 1.700 Wortartikel (mit ca. 25.000 Haupt- und Nebenstichwörtern sowie ca. 130.000 Belegen) aus den über 5.500 Seiten der Bände I – VII (a-Präfix – hysterisch, 1995 – 2010). In einem nächsten Arbeitsschritt soll die erste Auflage vollständig online bereitgestellt werden. Danach wird das Angebot durch die noch zu erarbeitenden Artikel der Strecke I – Q laufend ergänzt.