Deutsche Lehnwörter in anderen Sprachen

Langfristige Perspektive des Projekts ist die möglichst umfassende Dokumentation der Entlehnung deutscher Wörter in andere Sprachen. Grundlage sind dabei die in den Philologien der Zielsprachen erstellten lexikografischen Dokumentationen von Entlehnungen aus dem Deutschen. Für die Online-Veröffentlichung im Lehnwortportal Deutsch werden solche Einzelwörterbücher in eine geeignete digitale Form überführt und so miteinander vernetzt, dass sie in ihrer Gesamtheit als Internetwörterbuch deutscher Entlehnungen in den Sprachen der Welt zu benutzen sind. Durch Prozesse der Datenanreicherung und -homogenisierung hinsichtlich Informationen zu Wortbedeutung, thematischer Zugehörigkeit, Wortbildung, Entlehnungszeit und Gebrauchshäufigkeit sollen dabei vielfältige neue Formen der Datensuche und der Datenpräsentation geschaffen werden, sodass die originär als eigenständige Lehnwörterbücher konzipierten Werke zusammengeführt als umgekehrtes deutsches Lehnwörterbuch benutzt werden können.

Die Integration von Lehnwörterbüchern in das Portal muss im Rahmen eines softwaregestützten komplexen lexikografischen Prozesses durchgeführt werden. Die Konzeptionierung und letztlich manuelle lexikografische Umsetzung dieses Prozesses ist eine weitere Kernaufgabe des Projektes. Hierzu gehören u.a. folgende Arbeitsschritte, die für jedes neu zu integrierende Wörterbuch anfallen:

  • Einbindung der im Wörterbuch gebuchten deutschen Etyma in die Metalemmaliste des Portals;
  • Überarbeitung der Liste mit den deutschen Portal-Etyma mit dem Ziel, dem Nutzer den Zugang über standardneuhochdeutsche Lemmata zu ermöglichen;
  • Erfassung von Ketten von Entlehnungsprozessen;
  • Homogenisierung der Angabeformate des Wörterbuchs, v.a. zu Grammatik, diasystematischer Variation, Bedeutungsangaben;
  • Aufzeigen der Entlehnungswege von Fremd- und Lehnwörtern, auf denen diese selbst ins Deutsche gelangten, sowie – soweit verfügbar – der Entlehnungszeitpunkt, grammatische Angaben, Bedeutungserläuterungen;
  • zukünftig auch Anreicherung um weitere lexikografische Angaben, etwa semantische, morphologische, phonologische Informationen.

Das Projekt ist um den Erwerb möglichst zahlreicher bestehender lehnwortlexikalischer Ressourcen bemüht. U.a. im Rahmen von Kooperationsverträgen hat das IDS bisher den Zugang zu Wörterbüchern zum Niederländischen, Englischen, Ungarischen, Tschechischen, Slovakischen, Französischen, Usbekischen, Portugiesischen und Türkischen erworben.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Erstellung kleinerer Wörterbücher zu Entlehnungen aus dem Deutschen für Sprachen, zu denen zwar lexikologische Ressourcen, aber keine ausgearbeiteten Wörterbücher vorliegen. In Zusammenarbeit mit dem Autor konnte im September 2015 eine umfangreiche Liste von deutschen Lehnwörtern im Ivrit als Wörterbuch „Deutsche Lehnwörter im Hebräischen“ im Portal veröffentlicht werden; eine erweiterte und korrigierte zweite Fassung dieses Wörterbuchs ist im Mai 2017 online gegangen.

  

Teilprojekt: Deutsche Lehnwörter in polnischen Dialekten als Spiegel des Sprachkontakts

Im April 2019 hat das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte dreijährige Projekt Deutsche Lehnwörter in polnischen Dialekten als Spiegel des Sprachkontakts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Slavistik der Universität Oldenburg seine Arbeit aufgenommen. Die lexikografischen Arbeiten werden in Oldenburg unter der Leitung von Gerd Hentschel und in Kooperation mit der polnischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Am IDS ist Peter Meyer für die computerlexikografische Betreuung des Projekts verantwortlich. Ziel ist die Erstellung eines elektronischen Wörterbuchs, das frei zugänglich und umfassend durchsuchbar im Lehnwortportal Deutsch des IDS Mannheim publiziert wird. Schon jetzt ist in das Portal ein historisches Wörterbuch deutscher Lehnwörter in der polnischen Standard- bzw. Schriftsprache integriert. Mit der systematischen Erfassung von Germanismen in den polnischen Dialekten wird eine Forschungslücke geschlossen – aufgrund einer sich über Jahrhunderte erstreckenden Migration von Sprechern des Deutschen in polnischsprachige Gebiete betrifft der deutsch-polnische Sprachkontakt in hohem Maße auch die Dialekt sprechende ländliche Bevölkerung. Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Beschreibung der arealen Verteilung von Germanismen und deren kartografischer Darstellung.

  

Teilprojekt: Der Weg deutscher Lehnwörter des Polnischen ins Ostslavische

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 1. Juli 2013 geförderten Projektes Der Weg deutscher Lehnwörter des Polnischen ins Ostslavische werden zurzeit in Kooperation mit dem Institut für Slavistik der Universität Oldenburg drei Wörterbücher zu polnisch vermittelten deutschen Lehnwörtern in den ostslavischen Sprachen Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch in das Lehnwortportal Deutsch erstellt und integriert.

Angestrebt wird eine computergestützte, historisch-lexikografische Erfassung der deutschen Lehnwörter im Polnischen (wie sie im bereits in das Lehnwortportal integrierte Wörterbuch der deutschen Lehnwörter im Polnischen beschrieben wurden), die eine Entsprechung in den ostslavischen Sprachen, also Weißrussisch und Ukrainisch sowie Russisch, haben. Deutsche Lehnwörter in diesen drei Sprachen sind weitestgehend entweder über das Polnische oder direkt aus dem Deutschen entlehnt worden. Vielfach sind bis ins 18. Jh. das Weißrussische und Ukrainische auch Vermittler von Lehnwörtern „zwischen“ dem Polnischen und dem Russischen gewesen. Spätestens ab dem 19. Jh. wurden vermehrt Germanismen vom Russischen in die anderen Sprachen vermittelt. Es geht also um die Beschreibung ursprünglich deutscher Wörter, die in slavische Sprachen in einem großen kulturhistorisch und historisch-politisch zusammenhängenden Raum östlich von Deutschland entlehnt wurden. Lehnwörter werden dabei als sprachliche Reflexe von Kulturkontakten verstanden.

Das IDS deckt die computerlexikografischen Aspekte der Kooperation ab, während die philologisch-lexikografische Erstellung der Einzelartikel sowie sprachübergreifender historischer Kommentare zu möglichen Entlehnungswegen in Oldenburger Hand liegt.

Weitere Informationen zum Projekt finden sich auf den Webseiten des Oldenburger Instituts für Slavistik.

  

Teilprojekt: Wortschatz deutschen Ursprungs im Tok Pisin

Im Teilprojekt "Wortschatz deutschen Ursprungs im Tok Pisin"  wird in Fortführung der Arbeit des abgeschlossenen Projekts Lexikalischer Wandel unter deutsch-kolonialer Herrschaft ein Wörterbuch zum „Wortschatz deutschen Ursprungs im Tok Pisin“  erarbeitet.

Die im Raum Papua-Neuguinea gesprochene, im wesentlichen englischbasierte  Pidgin-/Kreol-Sprache Tok Pisin (in der Forschungsliteratur auch Neuguinea-Pidgin, Melanesian Pidgin oder Neomelanesian genannt) spielte seit der Zeit der deutschen Kolonialherrschaft (zwischen 1884 und 1914) in diesem Gebiet eine besondere Rolle als Lingua Franca. Hauptsächlich diente es als Verkehrssprache zwischen Angehörigen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften. Tok Pisin ist für viele Sprecher einheimischer Sprachen eine Zweitsprache, wird aber auch von einer großen und steigenden Zahl an Muttersprachlern gesprochen. Über das Tok Pisin sind auch Entlehnungsprozesse aus dem Deutschen in andere Sprachen des Südpazifiks zu rekonstruieren.

Das Interesse des Teilprojektes ist vor allem die Untersuchung des Einflusses des Deutschen auf Tok Pisin und die Dokumentation der Forschungsergebnisse in einem Wörterbuch. Hierfür wird an einer systematischen Durchsicht und Auswertung von vor allem Wörterbuchquellen und daneben auch relevanter Forschungsliteratur gearbeitet. Die Wörterbuchquellen reichen vom frühen 20. Jahrhundert bis heute.

Das Projekt kooperiert mit ExpertInnen und SprecherInnen des Tok Pisin (u.a. Patricia Iha-Breithaupt, Prof. Dr. Magnus Huber, Prof. Dr. Péter Maitz, Dr. Viveka Velupillai, Prof. Dr. Craig Volker, Dr. Janna Zimmermann). Bei gemeinsamen Projekttreffen und Workshops werden die Daten kritisch diskutiert. Prof. Dr. Craig Volker führte ergänzend eine Befragung zum Bekanntheitsgrad und Gebrauch der Stichwortkandidaten für das Wörterbuch mit SprecherInnen aus verschiedenen Regionen Papua-Neuguineas durch. 

Um den Wörterbuchnutzern einen Eindruck von der phonetisch-phonologischen Integration der deutschen Lexeme im Tok Pisin zu vermitteln, enthält das Wörterbuch eine lautliche Komponente. In diesem Zusammenhang kooperiert das Projekt mit Patricia Iha-Breithaupt, die Muttersprachlerin des Tok Pisin aus Lae (Hauptstadt der Provinz Morobe, Papua-Neuguinea) ist. Für das Wörterbuch hat sie Sequenzen eingesprochen, die unter Anleitung und Regie von Jürgen Immerz (Abteilung Pragmatik, IDS) in professioneller Umgebung aufgenommen wurden. Unter den Sequenzen sind Einzelwortlemmata (z.B. "beten", "raus") sowie Beispielsätze und -phrasen (z.B. "Mi bin beten long moning." [Heute Morgen habe ich gebetet.], "Yu raus!" [Raus mit dir!]). Die Daten werden als Ausspracheangaben für die Einzellemmata und Kontextbeispiele in das Wörterbuch integriert.

Ziel des Teilprojektes ist es, ein lexikografisches Nachschlagewerk für die Online-Platform  Lehnwortportal Deutsch zu erstellen. Ende 2017 ist eine erste, im März 2018 erneut überarbeitete Fassung des Wörterbuchs online gegangen. Das Wörterbuch wird fortlaufend um neue Artikel sowie weiteres Material erweitert.