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Das Lehnwortportal Deutsch

Das Lehnwortportal Deutsch ist ein Portal für Wörterbücher zu Entlehnungen aus dem Deutschen. Die Wörterbücher können als Einzelwerke konsultiert werden; über wörterbuchübergreifende Suchfunktionen sowie über ein aus den Einzelwörterbüchern abgeleitetes Wörterbuch der deutschen Herkunftswörter können jedoch außerdem die Entlehnungswege deutscher Lexeme in andere Sprachen nachvollzogen werden. Damit realisiert das Portal in seiner Gesamtheit das Konzept eines ‚umgekehrten Lehnwörterbuchs‘, das – anders als in der Sprachkontaktlexikographie üblich – nicht auf die Zielsprache der Entlehnungsprozesse, sondern auf die Quellsprache fokussiert.

In seiner jetzigen Fassung ist das Lehnwortportal Deutsch das Ergebnis des am IDS durchgeführten Pilotprojektes Einrichtung eines Internetportals für deutsche Lehnwörter in slawischen Sprachen, das durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert wurde.

Im Rahmen dieses Pilotprojektes wurden zunächst folgende drei Wörterbücher in das Portal integriert:

Neben Untersuchungen zu sprachtypologischen Annahmen zum Lexikon und zu lautlichen Adaptionsprozessen soll das Portal durch seine Vernetztheit langfristig vor allem erlauben, Zusammenhänge zwischen sprachlichen und historisch-sozialen Prozessen aufzufinden.

Über eine gestufte Komplexität von Abfragemöglichkeiten ist das Portal sowohl für Laien wie für Wissenschaftler benutzbar. Die internetbasierte Publikationsform erlaubt Nutzern einen einfachen und kostenlosen Zugriff auf die integrierten Wörterbücher.
 

Projekt: Deutsche Lehnwörter in anderen Sprachen

Langfristige Perspektive des Projekts ist die möglichst umfassenden Dokumentation der Entlehnung deutscher Wörter in andere Sprachen. Grundlage sind dabei die in den Philologien der Zielsprachen erstellten lexikographischen Dokumentationen von Entlehnungen aus dem Deutschen. Für das Portal werden solche Einzelwörterbücher in eine geeignete digitale Form überführt und so miteinander vernetzt, dass sie in ihrer Gesamtheit als Internetwörterbuch deutscher Entlehnungen in den Sprachen der Welt zu benutzen sind. Durch Prozesse der Datenanreicherung und -homogenisierung hinsichtlich Informationen zu Wortbedeutung, thematischer Zugehörigkeit, Wortbildung, Entlehnungszeit und Gebrauchshäufigkeit sollen dabei vielfältige neue Formen der Datensuche und der Datenpräsentation geschaffen werden, so dass die originär als eigenständige Lehnwörterbücher konzipierten Werke zusammengeführt als umgekehrtes deutsches Lehnwörterbuch benutzt werden können.

Die Integration von Lehnwörterbüchern in das Portal muss im Rahmen eines softwaregestützten komplexen lexikographischen Prozesses durchgeführt werden. Die Konzeptionierung und letztlich manuelle lexikographische Umsetzung dieses Prozesses ist eine weitere Kernaufgabe des Projektes. Hierzu gehören u.a. folgende Arbeitsschritte, die für jedes neu zu integrierende Wörterbuch anfallen:

  • Einbindung der im Wörterbuch gebuchten Etyma in die Metalemmaliste des Portals;
  • Erfassung von Ketten von Entlehnungsprozessen;
  • Homogenisierung der Angabeformate des Wörterbuchs, v.a. zu Grammatik, diasystematischer Variation, Bedeutungsangaben;
  • zukünftig auch Anreicherung um weitere lexikographische Angaben, etwa semantische, morphologische, phonologische Informationen.

Das Projekt ist um den Erwerb möglichst zahlreicher bestehender lehnwortlexikalischer Ressourcen bemüht. U.a. im Rahmen von Kooperationsverträgen hat das IDS bisher den Zugang zu Wörterbüchern zum Niederländischen, Englischen, Ungarischen, Französischen, Usbekischen, Portugiesischen und Türkischen erworben.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Erstellung kleinerer Wörterbücher zu Entlehnungen aus dem Deutschen für Sprachen, zu denen zwar lexikologische Ressourcen, aber keine ausgearbeiteten Wörterbücher vorliegen. Derzeit werden insbesondere in Kooperation mit dem Projekt Lexikalischer Wandel unter deutsch-kolonialer Herrschaft die Wörterbücher „Wortschatz deutschen Ursprungs im Tok Pisin“ und „Deutsche Lehnwörter in den Sprachen Ozeaniens“ erarbeitet. In Zusammenarbeit mit dem Autor konnte im September 2016 eine umfangreiche Liste von deutschen Lehnwörtern im Ivrit als Wörterbuch „Deutsche Lehnwörter im Hebräischen“ im Portal veröffentlicht werden; die Vorbereitungen zu einer erweiterten und korrigierten zweiten Fassung dieses Wörterbuchs sind bereits im wesentlichen abgeschlossen. 

Projekt: Der Weg deutscher Lehnwörter des Polnischen ins Ostslavische

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes Der Weg deutscher Lehnwörter des Polnischen ins Ostslavische werden zur Zeit in Kooperation mit dem Institut für Slavistik der Universität Oldenburg drei Wörterbücher zu polnisch vermittelten deutschen Lehnwörtern in den ostslavischen Sprachen Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch in das Lehnwortportal Deutsch erstellt und integriert.

Angestrebt wird eine computergestützte, historisch-lexikographische Erfassung der deutschen Lehnwörter im Polnischen (wie sie im bereits in das Lehnwortportal integrierte Wörterbuch der deutschen Lehnwörter im Polnischen beschrieben wurden), die eine Entsprechung in den ostslavischen Sprachen, also Weißrussisch und Ukrainisch sowie Russisch, haben. Deutsche Lehnwörter in diesen drei Sprachen sind weitestgehend entweder über das Polnische oder direkt aus dem Deutschen entlehnt worden. Vielfach sind bis ins 18. Jh. das Weißrussische und Ukrainische auch Vermittler von Lehnwörtern „zwischen“ dem Polnischen und dem Russischen gewesen. Spätestens ab dem 19. Jh. werden vermehrt Germanismen vom Russischen in die anderen Sprachen vermittelt. Es geht also um die Beschreibung ursprünglich deutscher Wörter, die in slavische Sprachen in einem großen kulturhistorisch und historisch-politisch zusammenhängenden Raum östlich von Deutschland entlehnt wurden. Lehnwörter werden dabei als sprachliche Reflexe von Kulturkontakten verstanden.

Das IDS deckt die computerlexikographischen Aspekte der Kooperation ab, während die philologisch-lexikographische Erstellung der Einzelartikel sowie sprachübergreifender historischer Kommentare zu möglichen Entlehnungswegen in Oldenburger Hand liegt.

Projekt: Das Lehnwortportal Deutsch als Forschungs- und Publikationsplattform

Das von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Projekt Das Lehnwortportal Deutsch als Forschungs- und Publikationsplattform soll den Ausbau des bisherigen Portals zu einer kollaborativ nutzbaren Forschungs- und Publikationsplattform ermöglichen. Anders als bisher werden in der geplanten Neukonzeptionierung nicht die Stichwörter der integrierten Ressourcen, sondern die in ihnen behandelten lexikalischen Einheiten – Herkunfts- und Lehnwörter sowie deren Ableitungen und Zusammensetzungen – im Zentrum nicht nur der Datenhaltung, sondern auch der Präsentation und Nutzerführung stehen. Überdies wird eine größere Anzahl neuer Ressourcen v.a. zu europäischen Nehmersprachen eingebunden werden.