Empirische Erwartungs- und Benutzungsforschung im Projekt LeGeDe

 

In Ergänzung zu den konzeptionellen Arbeiten im Projekt LeGeDe, die im Ergebnis die Entwicklung einer lexikografischen Ressource zur Lexik des gesprochenen Deutsch anvisieren, werden im Projekt auch verschiedene Arten von empirischen Studien durchgeführt. Dieser Arbeitsbereich wird in Kooperation mit dem Projekt "Empirische Methoden" in der Abteilung Lexik des IDS entwickelt und durchgeführt.

LeGeDe-Experteninterview

Fragebogen hier

Für den Auftaktworkshop des LeGeDe-Projektes wurde ein Experteninterview entwickelt, durch das das Team Näheres zu den Erwartungen an eine lexikografische Ressource des gesprochenen Deutsch kennenlernen wollte. Hierzu wurden 21 ExpertInnen (darunter vier Pretest-TeilnehmerInnen) aus den Bereichen Lexikologie, (Internet-)Lexikografie, Übersetzungs- bzw. Dolmetscherwissenschaften, Korpuslinguistik sowie Gesprächs- und Interaktionslinguistik in einem geführten Interview mit offenen und geschlossenen Frageformaten zu ihren Erwartungen befragt.

LeGeDe-Onlineumfrage

Fragebogen hier

Neben dem Experteninterview wurde außerdem eine Onlineumfrage konzipiert und vom 15.03.-31.05.2017 freigeschaltet. Das Ziel dieser Studie war es, die Erwartungen, Anforderungen und Wünsche zukünftiger NutzerInnen an eine lexikografische Ressource zur Lexik des gesprochenen Deutsch in Erfahrung zu bringen.

Die Umfrage richtete sich an alle interessierten SprachwissenschaftlerInnen sowie an Lehrende und Lernende der deutschen Sprache, die im universitären und außeruniversitären Kontext im In- und Ausland in den Bereichen DaF, DaZ und DaM tätig sind.

Publikationen:

  • Meliss, Meike/Möhrs, Christine/Ribeiro Silveira, Maria (2018): Erwartungen an eine korpusbasierte lexikografische Ressource zur 'Lexik des gesprochenen Deutsch in der Interaktion': Ergebnisse aus zwei empirischen Studien. In: Zeitschrift für Angewandte Linguistik 1/2018, S. 103-138. →Text
  • Meliss, Meike/Möhrs, Christine/Ribeiro Silveiro, Maria (angenommen): Anforderungen und Erwartungen an eine lexikografische Ressource des gesprochenen Deutsch aus der L2-Lernerperspektive. In: Klosa-Kückelhaus, Annette et al. (Hg.), Jahrbuch Lexicographica 34(1) 2018.

Zu den Rahmenbedingungen der beiden durchgeführten Studien

Ausgewählte ExpertInnen haben an dem Interview teilgenommen, 17 davon wurden ausgewertet. Die Onlineumfrage baute auf den Interviews auf und manche Antwortformate wurden unter Einbezug der Ergebnisse aus dem Experteninterview ausgestaltet. Mit der Onlineumfrage konnte dann ein größeres Publikum erreicht werden (333 ausgewertete Fragebögen). Während die Auswertung des Experteninterviews aufgrund der kleineren Teilnehmerzahl vorwiegend qualitativen Charakter hat, konnten die Antworten aus der Onlineumfrage auch quantitativ ausgewertet werden (vgl. Tab.1).

Experteninterview: „Erwartungen von ExpertInnen an die LeGeDe-Ressource“

Onlineumfrage: „Erwartungen künftiger NutzerInnen an die LeGeDe-Ressource“

Form: Geführtes Interview

Dauer: ca. 45 Minuten

Ablauf:

  • Einverständniserklärung
  • Angaben zur Person
  • Geführtes Interview

TeilnehmerInnen:

  • Pretest: 4
  • Auswertung: 17

Erhebungszeitraum: 13.12.2016 – 01.03.2017

Form: Online (EFS Unipark/Questback)

Dauer: ca. 20 Minuten

Ablauf:

  • Einverständniserklärung
  • Angaben zur Person
  • Geschlossene Fragen

TeilnehmerInnen:

  • Gesamtsample: 760
  • Abgeschlossen: 333

Erhebungszeitraum: 14.03.2017 – 31.05.2017

Tab.1: Eckdaten zum EXPI und zur OU

(Zu näheren Informationen siehe: Meliss/Möhrs/Ribeiro Silveira 2018: 107-110)

Einblicke in die Ergebnisse

TeilnehmerInnen an den Studien

An den Befragungen nahmen Interessierte aus aller Welt teil, mit klarem Fokus auf Deutschland. Abb. 1 zeigt die Herkunftsländer aller Teilnehmenden aus dem Experteninterview und der Onlineumfrage. Die Legende zeigt, wie viele Personen (von 1/hellgelb bis 200/rot) aus den verschiedenen Ländern stammen.


 

Abb. 1:  Herkunftsländer der Teilnehmenden (EXPI und OU)

(Vgl. Meliss/Möhrs/Ribeiro Silveira 2018: 110-112)

 

Zielgruppe

Die Hauptaufgabe des LeGeDe-Projektes ist, die Besonderheiten der "Lexik des Gesprochenen in der Interaktion" bzw. Ausschnitte davon angemessen zu analysieren, lexikografisch aufzubereiten und einem wissenschaftlich interessierten Publikum zugänglich zu machen. Die Ergebnisse der Befragung (vgl. Box-Plot in Abb. 2 zur OU) zeigen auch, dass BenutzerInnen in Lernsituationen (DaF-Lehrende bzw. -Lernende) aus Sicht der Befragten von einer Ressource zur Lexik des gesprochenen Deutsch ebenfalls profitieren könnten.

Abb. 2: Verteilung zur Frage nach der Zielgruppe (OU)

(Vgl. Meliss/Möhrs/Ribeiro Silveira 2018: 124f.; 132)

 

Informationsangebot

Die Antworten der ExpertInnen (vgl. Abb. 3) verdeutlichen, dass die erwarteten Informationen auf Besonderheiten im Gesprochenen abzielen und damit an vielen Stellen vom Angebot in herkömmlichen Wörterbüchern abweichen. Beispielsweise heben die Antworten auch die Notwendigkeit hervor, korpusbasiertes authentisches Material in der lexikografischen Umsetzung mit zu berücksichtigen. Die Befragten der Onlineumfrage weisen ein ähnliches Stimmungsbild auf. Für eine entstehende Ressource heißt das, neue Wege zu beschreiten.

Abb. 3: Verteilung zu Erwartungen zum Informationsangebot (EXPI)

(Vgl. Meliss/Möhrs/Ribeiro Silveira 2018: 126-128)

 

Innovation

Abb. 4 und Abb. 5 zeigen die Antworten auf die offen gestellte Frage "Unabhängig von der technischen Realisierbarkeit, welche innovativen Funktionalitäten würden Sie sich in einer Ressource des gesprochenen Deutsch wünschen?".

Alle Nennungen, die häufiger als einmal auftraten, sind hier in Form von Wortwolken dargestellt. Obwohl im Vergleich zum Experteninterview (17 Antworten) die Antworten aus der Onlineumfrage (130 Antworten) auf einer viel größeren Datengrundlage beruhen, ist doch zu erkennen, dass sich die TeilnehmerInnen beider Befragungen besonders die Integration von multimedialen Materialien (Audio, Video etc.) wünschen. Die Teilnehmenden der Onlineumfrage fügten den Einschätzungen der ExpertInnen noch weitere Punkte hinzu, z.B. geografisches Vorkommen oder Nutzerbeteiligung.

Abb. 4: Antworten auf die Frage nach innovativen            Abb. 5: Antworten auf die Frage nach Funktionalitäten (EXPI)                                                           innovativen Funktionalitäten (OU)

(Vgl. Meliss/Möhrs/Ribeiro Silveira 2018: 129-131)