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Neologismenforschung am IDS

Die ständige Anpassung des Wortschatzes an sich wandelnde bzw. neue Gegebenheiten und Sachverhalte als Voraussetzung für eine funktionierende Verständigung erfolgt im Wesentlichen durch Bildung neuer Wörter oder durch Übernahme neuen fremden Wortgutes, also durch Entlehnungen. Diese lexikalischen Einheiten, die Neologismen, die in den 90er-, Nuller- und Zehner-Jahren aufgekommen und in die deutsche Allgemeinsprache eingegangen sind, wurden im Projekt Lexikalische Innovationen ermittelt und nach den Prinzipien wissenschaftlicher Lexikografie auf der Grundlage des Deutschen Referenzkorpus, d.h. der elektronischen IDS-Textkorpora, umfassend beschrieben.

2004 erschien in diesem Rahmen das erste größere Neologismenwörterbuch für die 90er Jahre im Deutschen [1]. Inzwischen stehen in der Onlineversion mehr als 1000 Neologismen der 90er Jahre in OWID zur Ansicht bereit. Das Printwörterbuch für den Wortschatz der Nullerjahre (Steffens/al-Wadi) ist im November 2013 erschienen. Die Onlineversion ist seit Juli 2014 freigeschaltet.

Darüber hinaus ist auch der neue Wortschatz der Zehnerjahre präsentiert – und zwar aktuell für das jeweilige Kalenderjahr, sofern er eine gewisse Verbreitung gefunden hat.

 

Zur Geschichte des Projektes Neologismen (2008 in Lexikalische Innovationen umbenannt)

Was bedeutet verspargeln?
Schreibt man Carsharing, Car-Sharing oder Car-sharing?
Wie wird E-Zine ausgesprochen?
Heißt es die E-Mail oder das E-Mail?
Welche Genitivform ist richtig: des Bleachings oder des Bleaching?
Wie heißt der Plural von Herzschlagfinale: die Herzschlagfinale oder die Herzschlagfinals?
Wie ist das Wort Euro gebildet worden und wann ist es aufgekommen?
Wie kam es zur Neubedeutung "Niederlage" von Klatsche?

Diese und viele ähnliche Fragen werden uns immer wieder gestellt. Aber obwohl in Bezug auf neuen Wortschatz großer Informationsbedarf besteht, gab es bisher kein Angebot, das speziell diesen Bedarf zuverlässig und umfassend befriedigte. So existierte im Unterschied zu vielen anderen Sprachen für das Deutsche bisher kein größeres, nach Prinzipien der wissenschaftlichen Lexikografie erarbeitetes Neologismenwörterbuch als aktuelle Ergänzung zu den großen Gesamtwörterbüchern.

Um hier eine Lücke zu schließen, wurden am IDS als erste Stufe eines langfristig angelegten Projektes solche Neologismen (Neulexeme und Neubedeutungen) erfasst, beschrieben und dokumentiert, die sich im allgemeinsprachlichen Teil des Wortschatzes der deutschen Standardsprache seit Anfang der 90er Jahre etabliert haben.

Zu welchen Neologismen wird man zum Beispiel ausführliche Informationen finden können?

abhängen (Neubedeutung)

Lichterkette (Neubedeutung)

Bezahlfernsehen

mailen

Bungeespringen 

Mauspad

Buschzulage

Mobbing

Callanetics

Notebook

Dosenpfand 

Onlinebanking

Energydrink 

prollig

Euro

Rinderwahnsinn

fit wie ein Turnschuh

Saisonkennzeichen

Gegenfinanzierung 

Solidarzuschlag

Handy

surfen (Neubedeutung)

hundertpro

Techno

Inlineskate

Turbokapitalismus

Jobmaschine

Wellness

 

 

Man findet diese - und etwa 700 weitere - Neologismen in dem oben genannten, 2004 erschienenen Neologismenwörterbuch. Es fußt auf umfangreichen computergespeicherten Daten, die die Forschungsgruppe Neologismen schon in Hinblick auf eine anschließende Internetpräsentation erarbeitet hat. So konnten die Wortartikel bereits im Printwörterbuch umfassender und detaillierter sein als in einem gedruckten Wörterbuch üblich.

Die Wortartikel enthalten Informationen zu Datentypen wie Schreibung, Aussprache, Bedeutung, Grammatik, syntagmatische und paradigmatische Beziehungen, Pragmatik, Herkunft, Gebrauchsspezifik und Wortbildung sowie Textbelege. Darüber hinaus werden Informationen zum Neologismentyp, zum Aufkommen, zur Buchung in Wörterbüchern, aber auch enzyklopädische Hinweise gegeben. Datengrundlage sind im Wesentlichen die elektronischen IDS-Textkorpora.

Das Neologismenprojekt des IDS repräsentiert in Bezug auf den Gesamtwortschatz einen abgeschlossenen Bereich von diachronisch als "neu" markierten lexikalischen Einheiten. Im Rahmen des in der Abteilung Lexik entwickelten Konzepts für das lexikalisch-lexikologische korpusbasierte Informationssystem elexiko - Wissen über Wörter (jetzt: OWID) hatte es insofern Pilotfunktion, als es als erstes Projekt über elexiko hinaus seinen Wortschatz unter den Bedingungen eines hypertextuellen Informationssystems bearbeitete.

 


[1]Herberg, Dieter/Kinne, Michael/Steffens, Doris (2004): Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. Unter Mitarbeit von Elke Tellenbach und Doris al-Wadi. XXXIX/393 S. Berlin/New York: de Gruyter, 2004. (Schriften des Instituts für Deutsche Sprache 11)