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Projektbeschreibung

In den zwei Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg standen weite Teile des Südpazifiks unter deutscher Verwaltung. In dem Projekt "Lexikalischer Wandel unter deutsch-kolonialer Herrschaft" wird untersucht, welche sprachlichen Phänomene infolge des deutschen Sprachkontakts im Südpazifik aufgetreten sind und welche Ursachen für Art und Ausmaß dieser Sprachkontaktphänomene festzustellen sind.

Die Arbeiten zur Rolle des Deutschen im Südpazifik haben interessante Folgen des deutschen Sprachkontakts zu Tage gefördert. (i) So findet sich in vielen der indigenen Sprachen in den ehemals unter deutscher Verwaltung stehenden Gebieten deutsches Lehngut in verschiedenen semantischen Bereichen (z. B. Schulwesen, Religion, Verwaltung, Gebrauchsobjekte). Eine Voruntersuchung zu 16 Sprachen Mikronesiens anhand zum Teil unpublizierter Materialien hat in 14 dieser Sprachen deutschen Lehnworteinfluss zu Tage gefördert. (ii) Weiterhin haben sich eine Reihe von Hinweisen etwa aus zeitgenössischer Reiseliteratur und lokalen Zeitungen dahingehend verdichtet, dass in einigen Teilen des Pazifiks spezifische vom Englischen und indigenen Sprachen beeinflusste Siedlervarietäten des Deutschen entstanden sind. (iii) Außerdem hat das Deutsche nicht nur einen Einfluss auf die in der Region verbreiteten englischbasierten Pidgins gehabt, sondern es haben sich auch deutschbasierte Pidgin- und Kreolvarietäten entwickelt.

Die Sprachkontakterscheinungen (Entlehnungen, Pidginisierung, Siedlerdeutsch, u. a.) entwickelten sich vor dem Hintergrund umfangreicher sprachenpolitischer Diskussionen und Maßnahmen. Es wird deshalb auch untersucht, wie die deutsche Öffentlichkeit und die Bewohner der Kolonien sich zur Rolle des Deutschen in den Kolonien gestellt haben und welche Maßnahmen vorgeschlagen und durchgeführt wurden, um sprachenpolitische Vorstellungen umzusetzen.

Sprachkontaktphänomene im Südpazifik