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Wortschatz deutschen Ursprungs im Tok Pisin

Projektbeschreibung

In dem Projekt "Lexikalischer Wandel unter deutsch-kolonialer Herrschaft" werden Sprachkontaktphänomene untersucht, die in Zusammenhang mit dem deutschen Kolonialismus stehen. Ein besonderes Augenmerk im Teilprojekt "Wortschatz deutschen Ursprungs im Tok Pisin" gilt dem Einfluss des Deutschen auf das im Raum Papua-Neuguinea gesprochene Tok Pisin, eine Pidgin/Kreol-Sprache, deren Wortschatz zum größten Teil auf dem Englischen basiert.

Tok Pisin (in der Forschungsliteratur auch Neuguinea-Pidgin, Melanesian Pidgin oder Neomelanesian genannt) spielte seit der Zeit der deutschen Kolonialherrschaft (zwischen 1884 und 1914) in diesem Gebiet eine besondere Rolle als Lingua Franca. Hauptsächlich diente es als Verkehrssprache zwischen Angehörigen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften. Tok Pisin ist für viele Sprecher einheimischer Sprachen eine Zweitsprache, wird aber auch von einer großen und steigenden Zahl an Muttersprachlern gesprochen. Über das Tok Pisin sind auch Entlehnungsprozesse aus dem Deutschen in andere Sprachen des Südpazifiks zu rekonstruieren.

Das Interesse des Teilprojektes ist vor allem die Untersuchung des Einflusses des Deutschen auf Tok Pisin und die Dokumentation der Forschungsergebnisse in einem Wörterbuch. Hierfür wird an einer systematischen Durchsicht und Auswertung von vor allem Wörterbuchquellen und daneben auch relevanter Forschungsliteratur gearbeitet. Die Wörterbuchquellen reichen vom frühen 20. Jahrhundert bis heute.

siehe Liste mit Wörterbuchquellen

Das Projekt kooperiert mit ExpertInnen und SprecherInnen des Tok Pisin (u.a. Patricia Iha-Breithaupt, Prof. Dr. Magnus Huber, Prof. Dr. Péter Maitz, Dr. Viveka Velupillai, Prof. Dr. Craig Volker, Dr. Janna Zimmermann). Bei gemeinsamen Projekttreffen und Workshops werden die Daten kritisch diskutiert. Prof. Dr. Craig Volker führte ergänzend eine Befragung zum Bekannteheitsgrad und Gebrauch der Stichwortkandidaten für das Wörterbuch mit SprecherInnen aus verschiedenen Regionen Papua-Neuguineas durch. 

Um den Wörterbuchnutzern einen Eindruck von der phonetisch-phonologischen Integration der deutschen Lexeme im Tok Pisin zu vermitteln, enthält das Wörterbuch eine lautliche Komponente. In diesem Zusammenhang kooperiert das Projekt mit Patricia Iha-Breithaupt, die Muttersprachlerin des Tok Pisin aus Lae (Hauptstadt der Provinz Morobe, Papua-Neuguinea) ist. Für das Wörterbuch hat sie Sequenzen eingesprochen, die unter Anleitung und Regie von Jürgen Immerz (Abteilung Pragmatik, IDS) in professioneller Umgebung aufgenommen wurden. Unter den Sequenzen sind Einzelwortlemmata (z.B. "beten", "raus") sowie Beispielsätze und -phrasen (z.B. "Mi bin beten long moning." [Heute Morgen habe ich gebetet.], "Yu raus!" [Raus mit dir!]). Die Daten werden als Ausspracheangaben für die Einzellemmata und Kontextbeispiele in das Wörterbuch integriert.

Ziel des Teilprojektes ist es, ein lexikografisches Nachschlagewerk zu erstellen, das in das Lehnwortportal Deutsch (vgl. Meyer & Engelberg 2011, Engelberg & Meyer 2015) am IDS integriert wird. Diese am IDS von Peter Meyer entwickelte Ressource stellt Nachschlagewerke zu Entlehungen aus dem Deutschen in andere Sprachen zur Verfügung.

Ausgewählte Präsentationen zum Wörterbuchprojekt

  • Engelberg, Stefan & Christine Möhrs: Lexicography of Language Contact: An Internet Dictionary of Words of German Origin in Tok Pisin. - Vortrag bei der EURALEX 2016, Tbilisi, Georgien, September 2016
  • Engelberg, Stefan & Doris Stolberg: Wortschatz deutschen Ursprungs im Tok Pisin. - Workshop „Koloniale Varietäten des Deutschen“, Universität Augsburg, Juni 2016.
  • Möhrs, Christine & Jasmin Fürniß: Das Wörterbuch deutsch-originärer Wörter im Tok Pisin am IDS - ein Arbeitsbericht. - Workshop "Deutsche Sprachspuren im Pazifik: Dokumentation und linguistische Analyse", Mannheim, IDS, November 2015.
  • Stolberg, Doris & Christine Möhrs: Deutsche Wörter im Tok Pisin. Ein Wörterbuchprojekt. - Institutskolloquium, IDS Mannheim, Juni 2015.
  • Stolberg, Doris: German words in Tok Pisin: A dictionary project. - Forschungskolloquium des Ethnologischen Seminars, Universität Luzern (CH), April 2014. 
  • Stolberg, Doris: Der Einfluss des Deutschen auf Tok Pisin. Lexikalische Spuren kolonialen Sprachkontakts. - Workshop „Deutsche Koloniallinguistik“, Universität Wuppertal, November 2011

  • Stolberg, Doris: German words in Tok Pisin dictionaries. Tracing the effects of colonial contact. - Summer Conference of the Society of Pidgin and Creole Linguistics, Universität Accra (Ghana), August 2011.

     

Ausgewählte Forschungsliteratur zum Lehnwortportal Deutsch und zum Wörterbuchprojekt

  • Engelberg, Stefan & Doris Stolberg (erscheint 2017): The influence of German on the lexicon of Tok Pisin. – Language and Linguistics in Melanesia.

  • Engelberg, Stefan & Christine Möhrs (2016): Lexicography of Language Contact: An Internet Dictionary of Words of German Origin in Tok Pisin. – Tinatin Margalitadze & George Meladze (Hg.): Proceedings of the XVII EURALEX International Congress: Lexicography and Linguistic Diversity. Tbilisi: Lexicographic Centre, Ivane Javakhishvili Tbilisi State University, 578-583

  • Engelberg, Stefan & Peter Meyer (2015): Das Lehnwortportal Deutsch als kontaktlinguistisches Forschungsinstrument. In: Kelih, Emmerich/Fuchsbauer, Jürgen/Newerkla, Stefan Michael (Hg.): Lehnwörter im Slawischen: Empirische und crosslinguistische Perspektiven. Frankfurt/M. et al.: Peter Lang, S. 149-170.

  • Meyer, Peter & Stefan Engelberg (2011): Ein umgekehrtes Lehnwörterbuch als Internetportal und elektronische Ressource: Lexikographische und technische Grundlagen. In: Hedeland, Hanna/Schmidt, Thomas/Wörner, Kai (Hg.): Multilingual Resources and Multilingual Applications. Hamburg: Universität Hamburg, S. 169-174.