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5. Jahrestagung Diskurs interdisziplinär, 13.-14. November 2015, Universität Bern, CSLS
Diskurs – holistisch. Perspektiven integrierender Diskursforschung


Ein Blick in die Geschichte der Diskursforschung zeigt, dass der Untersuchungsgegenstand mit den Jahr-zehnten zunehmend komplexer und umfassender wird und dass mit dieser Ausweitung des analytischen Fokus auch die auf Diskurse bezogenen Theorien, methodischen Verfahren und Methodologien allmählich ganzheit¬licher werden. War es der linguistischen Diskursanalyse anfänglich primär darum zu tun, die Regelhaftigkeit des satzübergreifenden Textzusammenhangs zu erfassen, kamen später beispielsweise auch text- und gesprächsübergreifende Verknüpfungen in den Blick. Hatte die sozialwissenschaftliche Diskursforschung sich zunächst etwa auf Gruppen von Aussagen konzentriert, ging sie dann dazu über, den Zusammenhang von Diskurs, Wissen, Macht und Subjekt integraler zu erforschen.
Holistische Tendenzen zeichnen sich in der Diskursforschung gegenwärtig in vier Bereichen ab:
(1) Eine ganzheitliche Orientierung manifestiert sich dort, wo die Forschung nicht länger nur „Aussagen“ als Atome von Diskursen isolieren will, sondern wo Diskurse als Einheiten verstanden werden, die „Sprach¬ebenen“ übergreifen, wo also die Morphologie von Diskursen als Komplex bestimmt wird, der etwa Phoneme, Morpheme, Wörter, Sätze, Texte, intertextuelle Verbände bzw. Korpora und sprachliche Handlungsmuster als kommunikative Großeinheiten inkludiert.
(2) Holistische Perspektiven zeichnen sich dort ab, wo in der Diskursforschung das Zusammenspiel verschiedenster semiotischer Modi und Medien untersucht wird, also multimodale und multimediale Zusammenhänge von Text, Bild und Ton usw. analytisch Beachtung finden.
(3) Der Holismus wird ferner dort wichtiger, wo in der Diskursforschung nach der integrativen Verbindung von Sprach- und Gesellschaftsanalyse gestrebt wird, wo also z. B. Linguistik und Sozialwissenschaften sehr enge Verbindungen einzugehen bemüht sind, und außerdem überall dort, wo sich problemorientierte Diskursforschung auf verschiedenste Formen der interdisziplinären Zusammenarbeit einlässt.
(4) Zudem sind im Bereich der Methodologie Stimmen zu vernehmen, die das Prinzip eines „methodischen Holismus“ befürworten, die also, so wie etwa Rainer Diaz-Bone, davor warnen, in der Diskursforschung allzu arbiträre Kombinationen von Methoden vorzunehmen, und dafür plädieren, bei der Methodenwahl stets auf theoretische Begründung und Gegenstandsadäquanz zu achten.
Eben solche Bewegungen einer integrierenden Diskurforschung stehen im Zentrum der fünften Jahrestagung des Netzwerks „Diskurs – interdisziplinär“, die an der Universität Bern stattfinden wird. Willkommen sind alle Beiträge, die sich in den verschiedensten Disziplinen theoretisch, methodisch, methodologisch, interdisziplinär und empirisch mit Fragen einer holistischen Diskursanalyse oder Diskurstheorie auseinandersetzen.
Bitte schicken Sie Ihr Abstract, das nicht mehr als 2000 Zeichen umfassen sollte, bzw. Ihre Anmeldung (wenn Sie keinen Vortrag halten möchten) bis zum 30. Juni 2015 an diskursinterdisziplinaer (at) ids-mannheim.de.