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Projektbeschreibung

Das Projekt untersucht den Zusammenhang von Verben und Argumentstrukturen im Deutschen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass ein Verb seine Argumentstruktur in Form verschiedener syntaktischer Konstruktionen realisieren kann, wie z.B. er baut, er baut etwas, er baut an etwas, er baut etwas aus etwas, er baut auf jemanden/etwas usw. Der Gegenstand des Projekts sind solche verbalen Argumentstrukturmuster, die ein präpositional eingeleitetes Argument enthalten. Als Argumentstrukturmuster werden Abstraktionen von argumentstrukturbezogenen, kategorial bestimmten und semantisch stabilen Kovorkommen von Ausdrücken mit Verben angesehen, die aus einer Form- und einer Bedeutungskomponente bestehen. Ein Argumentstrukturmuster in diesem Sinne wäre beispielsweise XNP-nom V YPP-auf mit der Bedeutung "x vertraut auf/verlässt sich auf y", belegt durch Sätze wie Er baut/zählt/vertraut auf Peters Verschwiegenheit. Solche Kovorkommen werden durch syntaktische und semantische Idiosynkrasien und Regelhaftigkeiten gesteuert. Anhand dieser Argumentstrukturmuster erforscht das Projekt den Erklärungsgehalt zweier im Aufbau grundsätzlich unterschiedlicher Grammatiktheorien: valenzbasierter Grammatiken einerseits und konstruktionsbasierter Grammatiken andererseits.

Empirisch fußt das Projekt auf qualitativen und quantitativen Korpusuntersuchungen, die sowohl die Restriktionen bezüglich der Kovorkommen wiederspiegeln, als auch die quantitativ ausgedrückten Präferenzen von Verben für bestimmte Argumentstrukturmuster und von Argumentstrukturmustern für bestimmte Verben. 

Projektziele und -aufgaben

Das Projekt verfolgt die folgenden drei zentralen Ziele:

  1. Integrierte Beschreibung von Argumentstrukturmustern und den in ihnen vorkommenden Verben in einer elektronischen lexikographischen Ressource (Datenbank)
  2. Theoriebildung im Spannungsfeld von valenz- und konstruktionsbasierten Grammatiken
  3. Quantitative Untersuchung der Verteilung von Verben und Argumentstrukturmustern (innerhalb des Projektkorpus).

Die empirische und theoretische Arbeit des Projekts soll sich einerseits in Printpublikationen zu verschiedenen theoretischen Aspekten des Themas niederschlagen und andererseits in einer elektronischen lexikographischen Ressource dokumentiert werden, in der auf der Grundlage von Korpusrecherchen die im Deutschen auftretenden verbalen Argumentstrukturmuster, die präpositional eingeleitete Argumente enthalten, in ihrem Zusammenspiel mit den lexikalischen Eigenschaften von Verben syntaktisch und semantisch beschrieben werden. Dazu werden in mehreren festgelegten Schritten diejenigen Muster aus dem Korpus extrahiert, deren präpositionale Argumente durch die frequentesten deutschen Präpositionen eingeleitet werden. Es soll gezeigt werden, inwieweit für die syntaktische Beschreibung und die Bedeutungskonstitution eines Argumentstrukturmusters Idiosykrasien eine Rolle spielen und inwiefern allgemeine syntaktische, semantische und pragmatische Regeln und Prinzipien verantwortlich sind. Die Ergebnisse sollen empirisch in semantisch-funktionaler Hinsicht systematisiert werden. Weiterhin sollen im Rahmen der Erarbeitung der elektronischen Ressource Kriterien bzw. Verfahren entwickelt werden, die einerseits die Unterscheidung verschiedener Subtypen "desselben" Argumentstrukturmusters erlauben, und andererseits die Abgrenzung eines Musters nach außen ermöglichen.

Eng mit der Arbeit an der elektronischen Ressource verknüpft ist die Aufgabe, anhand der Beschreibung der verschiedenen Argumentstrukturmuster den Erklärungsgehalt valenzbasierter bzw. konstruktionsbasierter Konzepte zu überprüfen und evtl. beide Ansätze in fruchtbarer Weise zusammenzuführen. Verschiedene Fragen werden bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit dieser Konzeptionen eine Rolle spielen, wie etwa: (i) Wie einheitlich muss sich das syntaktische und semantische Verhalten einer Konstruktion darstellen, um auf die Darstellung valenzbasierter lexikalischer Idiosynkrasien verzichten zu können? (ii) Wie können prinzipiengesteuert sprachmögliche von sprachunmöglichen Ausdrücken in konstruktionsbasierten Ansätzen unterschieden werden? Lassen sich also, ähnlich wie man Beschränkungen über zulässige Valenzen formuliert hat, Beschränkungen für mögliche Konstruktionen formulieren? (iii) Wie lässt sich der Bedeutungsaufbau beschreiben, wenn ein Teil der Ausdrucksbedeutung nicht lexikalisch projiziert und an der syntaktischen Konstituenz orientiert kompositionell erzeugt wird, sondern durch Konstruktionsbedeutungen und deren Kombination zustande kommt? (iv) Wie identifiziert man Konstruktionen, ohne dass die Vielzahl sprachlicher Idiosynkrasien zu einer endlosen Proliferation von Sub- und Subsubvarianten von Konstruktionen verpflichten?

Einen dritten Schwerpunkt bilden die quantitativen Untersuchungen zu Präferenzen von Verben für bestimmte Argumentstrukturmuster und umgekehrt. Im Rahmen von Pilotstudien zu einzelnen Verben und Verbgruppen sind hier bereits sehr auffällige quantitative Verteilungen festgestellt worden, die sich in systematischer Weise zu wiederholen scheinen. Diese Zipfschen Verteilungen werfen im Rahmen der theoretischen Kontroverse eine Vielzahl interessanter Fragen auf, zum einen hinsichtlich der kognitiven Verankerung (entrenchment) von Argumentstrukturmustern, zum anderen hinsichtlich der syntaktischen, semantischen und pragmatischen Faktoren, die ihre Verteilung bestimmen. Eine wichtige Aufgabe in diesem Schwerpunkt besteht auch darin, geeignete korpusbasierte Erhebungsmethoden zu entwickeln und angemessene statistische Verfahren zu erproben.