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Dr. Giorgio Antonioli

Gastwissenschaftler am IDS

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10. Vortrag im Rahmen des internationalen Gästeforums 

 

Dr. Giorgio Antonioli (Universität Trento, Italien)

 

Korrelat-Konnektor-Konstruktionen an der Schnittstelle von Topologie, Prosodie und Informationsstruktur

(am Beispiel von deshalb ... weil und deswegen ... weil)

12. Dezember 2017 (Dienstag), 11.30, IDS Vortragssaal 

 

Abstract:

Im Vortrag werden die Ergebnisse einer Fallstudie zum Gebrauch von Korrelatkonstruktionen mit deshalb und deswegen und Subjunktor weil im gesprochenen Deutsch vorgestellt. Ausgehend von der grammatischen Beschreibung dieser Konstruktion im „Handbuch der deutschen Konnektoren“ (HDK-1: Pasch et al. 2003; HDK-2: Breindl/Volodina/Waßner 2014) wird ihr Gebrauch im FOLK-Korpus dargestellt. Dies erfolgt in Anlehnung an Theorie und Methode der Interaktionalen Linguistik, und zwar (i) mit Fokus auf die Beziehung von Form und Funktion im Sprachgebrauch und (ii) unter Berücksichtigung der situativen Rahmenbedingungen der Kommunikation (vgl. dazu Imo 2013).

Die Korrelatkonstruktionen [deshalb, weil] und [deswegen, weil] können aus interaktionaler Sicht als Phänomen syntaktischer Projektion im Sinne von Auer (2002, 2007) erfasst werden – siehe dazu auch Günthner (2006, 2008) und Imo (2007, 2013). Als solche spielen sie eine wesentliche Rolle in der Gestaltung der Kommunikation, denn sie begünstigen die Produktion und Rezeption von Redebeiträgen in der Echtzeit: Durch Rückgriff auf kognitiv verfestigte Sprachmuster durch den Sprecher ermöglichen diese Konstruktionen dem Hörer die Vorhersage von noch zu äußernden Inhalten.

Durch die Analyse von Beispielen wird gezeigt, wie topologisch und prosodisch unterschiedliche Realisierungen der genannten Konstruktionen einen jeweils verschiedenen informationsstrukturellen Status erhalten und somit verschiedene kommunikative Funktionen ausüben.

Literaturhinweise

Auer, Peter (2002): „Projection in interaction, projection in grammar“, InList 33/02.

Auer, Peter (2007): „Syntax als Prozess“, in Hausendorf, Heiko (Hg.): Gespräch als Prozess. Tübingen, Narr: 95-124.

Breindl, Eva/Volodina, Anna/Waßner, Ulrich H. (2014): Semantik der deutschen Satzverknüpfer. Berlin/New York: de Gruyter (= Schriften des Instituts für Deutsche Sprache 13.1-13.2).

Günthner, Susanne (2006): „Was ihn trieb, war vor allem Wanderlust. Pseudocleft-Konstruktionen im Deutschen“, in Günthner, Susanne/Imo, Wolfgang (Hgg.): Konstruktionen in der Interaktion. Berlin, de Gruyter: 59-90.

Günthner, Susanne. (2008): „Projektorkonstruktionen im Gespräch: Pseudoclefts, die Sache ist-Konstruktionen und Extrapositionen mit es“, Gesprächsforschung - Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 9/08: 86-114.

Imo, Wolfgang. (2007): Construction Grammar und Gesprochene-Sprache-Forschung. Konstruktionen mit zehn matrixsatzfähigen Verben im gesprochenen Deutsch. Tübingen, Niemeyer.

Imo, Wolfgang. (2013): Sprache-in-Interaktion. Analysemethoden und Untersuchungsfelder. Berlin, de Gruyter.

Pasch, Renate et al. (2003): Handbuch der deutschen Konnektoren. Berlin, de  Gruyter.

 

Zur Person:

Giorgio Antonioli promovierte im Jahr 2015 an der Universität Turin mit einem Forschungsprojekt über Konnektoren im gesprochenen Deutsch. 2016 führte er ein durch ein DAAD-Stipendium finanziertes Postdoc-Projekt am Institut für Germanistische Linguistik der Universität Duisburg-Essen (Lehrstuhl Wolfgang Imo) durch und war außerdem am internationalen Forschungsprojekt „FRAME“ der Universitäten Mailand und Düsseldorf zum Thema „Kontrastive Phraseologie Italienisch-Deutsch“ beteiligt. Zurzeit ist er Forschungsmitarbeiter an der Universität Trient mit Schwerpunkt auf Intonationsforschung im Deutsch-Italienisch-Sprachvergleich. Seine weiteren Forschungsinteressen sind DaZ-Didaktik und usuelle Wortverbindungen in der deutschen Sprache.

 

 

Alle Interessierten sind zum Vortrag herzlich eingeladen!

Im Anschluss an den Vortrag bietet sich in einer entspannten Atmosphäre Gelegenheit zum weiteren wissenschaftlichen Austausch, serviert werden Kaffee und italienische Spezialitäten.