12. Vortrag im Rahmen des internationalen Gästeforums 

Prof. Dr. Janusz Taborek (Universität in Poznań, Polen)

"Auf dem Weg zu einer korpusbasierten, kookkurrenzbezogenen kontrastiven Grammatik. Funktionsverbgefüge im Deutschen und im Polnischen"

13. November 2018 (Dienstag), 14.30, IDS Vortragssaal 

 

Abstract:

Der Einsatz der Korpusanalysen brachte in der Mitte der 1990er Jahre neue Impulse für kontrastive Studien, warf neues Licht auf die alten Forschungsfragen und warf neue Fragen auf (Schmied 2009: 1142). Auch wenn sich keine – wie postuliert – „contrastive corpus linguistics“ etablierte, sprechen Aijmer & Altenberg (2013) von einer „new era in contrastive linguistics“.

Im Vortrag wird ein kontrastives Beschreibungsmodell (Taborek, 2018) vorgestellt und am Beispiel der Analyse und Beschreibung der Funktionsverbgefüge im deutsch-polni­schen Vergleich veranschaulicht. Mithilfe der einsprachigen Korpora werden in den Analysen (a) Kook­kur­renzen ermittelt, (b) syntagmatische Muster bzw. Sprachge­brauchsmuster nach der Gruppierung der Kookkurrenten nach ihren syntaktischen Funktionen erstellt, (c) Strukturformen (Heine 2008) bzw. Pattern (vgl. Steyer 2013, Hunston & Francis 2000) nach dem Abstrahieren erarbeitet und (d) Verwendungsbeispiele und -kotexte des Gebrauchs aufgrund der drei Typen der Daten – Kookkurrenzen, syntagmatischen Muster und Pattern – vorgeschlagen. Nachdem das Funktionsverbgefüge in der einen Sprache, der Ausgangsprache, analysiert wird, werden vier Analyseschritte auf die (potenziellen) Äquivalente in der Zielsprache bezogen, so dass nach dem Vergleich der Kookkurrenzen, syntagmatischen Muster und Pattern korpusgestützte, also empirisch fundierte und gebrauchsbasierte, Äquivalente ermittelt werden können.

In der Analyse wird mit einsprachigen Korpora, dem DeReKo-Korpus für das Deutsche und dem NKJP-Korpus für das Polnische, sowie mit den Tools zur statistischen Kookkurrenzanalyse – KA via Cosmas II (Belica 1995) und Kollokator bzw. HASK (Pęzik 2014) gearbeitet.

Bibliographie

Aijmer, K. / Altenberg, B. (2013): Introduction. In: Aijmer, K. / Altenberg, B. (Hrsg) (2013). Advances in Corpus-Based Contrastive Linguistics. Studies in Honour of Stig Johansson. Amsterdam: John Benjamins, 1–6.

Belica, C. (1995): Statistische Kollokationsanalyse und -clustering. Korpuslinguistische Analysemethode. Mannheim: Institut für Deutsche Sprache.

Heine, A. (2008): Funktionsverbgefüge richtig verstehen und verwenden. Ein korpusba­sierter Leitfaden mit finnischen Äquivalenten. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag.

Pęzik, P. (2014): Graph-Based Analysis of Collocational Profiles. In: V. Jesenšek / P. Grzy­bek (Hrsg.), Phraseologie im Wörterbuch und Korpus, Maribor u.a.: Filozofska fakul­teta, 227–243.

Schmied, J. (2009): Contrastive corpus studies. In: A. Lüdeling/M. Kytö, Corpus linguitsics. An International Handbook. Berlin/New York: de Gruyter.

Steyer, K. (2013): Usuelle Wortverbindungen. Zentrale Muster des Sprachgebrauchs aus korpuslinguistischer Sicht. Tübingen: Narr.

Steyer, K. / Durco, P. (2013): Ein korpusbasiertes Beschreibungsmodell für die elektro­nische Sprichwortlexikografie. In: P. Durco/K. Steyer/K. Hein, Sprichwörter im Ge­brauch, Trnava: Univerzita sv. Cyrila a Metoda v Trnave, 11–42.

Taborek, J. (2018): Funktionsverbgefüge in bilingualen deutsch-polnischen Wörterbü­chern. Korpusbasierte Analyse – syntagmatische Muster – Äquivalenz. In: Jesenšek, V. / Enčeva, M. (Hrsg.), Wörterbuchstrukturen zwischen Theorie und Praxis. Herbert Ernst Wiegand zum 80. Geburtstag gewidmet. Berlin: de Gruyter 201–217.

Zur Person:

Janusz Taborek, Germanist, Informatiker, Lexikograph, ist Professor am Lehrstuhl für beschreibende Grammatik des Deutschen im Institut für Germanistik an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań (Polen). Er promovierte im Jahr 2001 mit der Arbeit „Verweis­wörter im Deutsch und im Polnischen“ und habilitierte sich im Jahr 2009 mit der Arbeit „Subjektsätze im Deutschen und im Polnischen”. Mitverfasser der deutsch-polnischen Wörterbücher, Verfasser der Fußballfachwörterbücher.

Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (2004, 2018) und des Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (1999). Forschungsinteresse: deutsche und kontrastive deutsch-polnische Grammatik (v.a. Pronomina, komplexe Sätze, Verb, Funktionsverbgefüge), Korpuslinguistik, Lexikographie, Sport­sprache

Zentrale Publikationen

Taborek, J. (2018): Korpusbasiertes kontrastives Beschreibungsmodell für Funktions­verbgefüge. In: G. Schmale (Hrsg): Formen, Verfahren, Funktionen der Bildung lexematischer und polylexematischer Einheiten im Deutschen, Tübingen: Stauffenburg (im Druck).

Taborek, J. (2014): Das Wörterbuch der Fußballsprache: Polnisch - Russisch - Englisch - Deutsch, Hamburg: Verlag Dr. Kovač.

Taborek, J./Tworek, A./Zieliński, L. (eds.)(2012): Sprache und Fußball im Blickpunkt lin­guistischer Forschung, Hamburg: Verlag Dr. Kovač

Taborek, J. (2008): Subjektsätze im Deutschen und im Polnischen. Syntaktisches Lexikon und Subklassifizierung der Verben, Frankfurt am Main: Peter Lang.

Taborek, J. (2004): Verweiswörter im Deutschen und im Polnischen, Frankfurt am Main: Peter Lang.

Alle Interessierten sind zum Vortrag herzlich eingeladen!

Im Anschluss an den Vortrag bietet sich in einer entspannten Atmosphäre Gelegenheit zum weiteren wissenschaftlichen Austausch, serviert werden Kaffee und Snacks.