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Pragmatik

Projekt "Interaktive Bedeutungskonstitution"

Definitionen in der Interaktion

Definitionen dienen Gesprächspartnern dazu, die Bedeutung von Begriffen, Ausdrücken und Konzepten gemeinsam auszuhandeln oder (etwa in Lehr-Lern-Kontexten) mittels definierender Semantisierungspraktiken unbekannte Begriffe und Konzepte einzuführen und zu erklären. Es handelt sich dabei i.d.R. nicht um lexikonartige Definitionen, die Begriffe abstrahierend und kontextfrei definieren. Stattdessen sind Definitionen häufig an den situativen Kontext gebunden, der für die Gesprächsteilnehmer in der aktuellen und folgenden Gesprächssituation relevant ist (Z. 07 im Beispiel). Definitionen verdeutlichen dabei auch, was der jeweilige Begriff nicht bedeutet - entweder implizit, bisweilen aber auch explizit, etwa in Form von Negationen (Z. 06 im Beispiel).

Sprecher orientieren sich bei der Wahl und Ausdifferenzierung der Definition am Vorwissen der Gesprächspartner sowie an der individuellen Interaktionsgeschichte.

Definierende Semantisierungspraktiken in Bezug auf Begriffe, die für das theoretische Verständnis relevant sind (z.B. in Theoriestunden in der Fahrschule oder Unterrichtsstunden in der Schule), unterscheiden sich von solchen mit praktischer Relevanz, z.B. in praktischen Fahrschulstunden. Im praktischen Kontext dienen Definitionen weniger dazu, die Bedeutung unbekannter Begriffe zu erläutern, sondern vielmehr basale Fähigkeiten und Prozesse zu vermitteln, wie etwa das Anfahren des Autos oder verschiedene Arten des Einparkens. Fahrlehrer brechen solche Prozesse bisweilen auf technische ('Schleifpunkt'), prozedurale ('Boxenparken') oder indexikalische ('vorausschauend fahren') Begriffe herunter, führen diese mittels unterschiedlicher Praktiken ein und verwenden sie im weiteren Interaktionsverlauf, um Fahrschülern die gelernte Fähigkeit zu vergegenwärtigen.

Publikationen und Vorträge:

  • Deppermann, Arnulf (2016): La définition comme action multimodale pour des enjeux pratiques : définir pour instruire à l'auto-école. In: Langage 204(4), S. 83-101.
  • Deppermann, Arnulf / Helmer, Henrike (2015): Definitions for all practical purposes of learning. Definitions in driving school lessons. Vortrag auf der 14th International Pragmatics Conference (IPrA), Antwerpen (Belgien).
  • (angenommen) Henrike Helmer, Mai 2017: German x heißt y ('x means/is y'): Strengthening intersubjectivity by definitions. Conference "Intersubjectivity in action", Centre of Excellence in Research on Intersubjectivity in Interaction, Helsinki (Finnland).

Ansprechpartner: Prof. Dr. Arnulf Deppermann, deppermann (at) ids-mannheim.de; Dr. Henrike Helmer, helmer (at) ids-mannheim.de