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Pragmatik

Pragmatikalisierte Mehrworteinheiten

Gebrauchsbasierte Sprachmodelle, Interaktionslinguistik und Sprachwandelforschung gehen davon aus, dass gesprochensprachlich hochfrequente Wortverbindungen wie weißt du, ich mein und guck mal von Sprechern als memorierte komplexe Einheiten mit speziellen Interaktionsfunktionen verwendet werden. Solche Einheiten sind typischerweise polyfunktional und weisen häufig besondere segmentale und prosodische Realisierungs- und Reduktionsmerkmale auf, die sie von ihren Spendersyntagmen abheben (vgl. weißt du > weißte > weißt > weiß/weesch/woisch/...).

Das Projekt untersucht das Zusammenspiel von lautlicher und funktionaler Ausdifferenzierung solcher Strukturen am Beispiel pragmatisch spezialisierter Formeln insbesondere mit sagen, dem häufigsten lexikalischen Verb im Korpus FOLK (vgl. sag mal, ich würde sagen, sagen wir mal so). Betrachtet werden dazu semantische Merkmale, Interaktionsfunktionen, syntaktische Distributionseigenschaften, Modifizier- und Erweiterbarkeit, Einbindungen in typische Sequenzkontexte sowie phonetische Aspekte einschließlich prosodischer Charakteristika.

Als Datengrundlage werden die mündlichen Korpora des IDS herangezogen, insbesondere die Korpora FOLK und Deutsch heute, wodurch neben gattungsbezogenen bzw. sprechsituativen auch sprachraumspezifische Verwendungsaspekte in die Analyse einbezogen werden können.

Ansprechpartner: Dr. Fabian Brackhane, brackhane (at) ids-mannheim.de; Dr. Ralf Knöbl, knoebl (at) ids-mannheim.de; Dr. Arne Zeschel, zeschel (at) ids-mannheim.de