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Gastvortrag

Hiermit laden wir alle interessierten Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Gäste des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache ein.

Herr PD Dr. Sebastian Bücking (Universität Tübingen)

hält einen Vortrag zu

Unabhängige Kriterien zur Valenz- vs. Konstruktionsbindung? – Fallbeispiel DP-und-Präd-Strukturen

Montag, 6. Mai 2019, 14:30 Uhr, IDS Vortragssaal

Abstract:

DP-und-Präd-Strukturen wie in (1) werden typischerweise als Konstruktionen analysiert; s. u.a. Lambrecht (1991), Jacobs (2008), Goldberg & Casenhiser (2006), Bücker (2012). Zu den wesentlichen Motiven für diese Analyse gehören als idiosynkratisch eingestufte formale sowie funktionale Besonderheiten: Realisierung eines Subjektarguments trotz nicht-finitem Prädikat, asymmetrisch verwendetes und, Ausdruck einer starken Überraschung.

(1)     Ben und putzen?!

Vor diesem Hintergrund verfolge ich zwei Ziele: In einem ersten Schritt argumentiere ich dafür, dass man die von Jacobs (2009) vorgeschlagenen Kriterien für Valenz- vs. Konstruktionsbindung nicht zur theorieunabhängigen Motivation für eine Konstruktionsanalyse nutzen kann. Denn die Kriterien sind analyseabhängig. Z.B. scheinen DP-und-Präds keine asymmetrische Konkretheit aufzuweisen, da sowohl DP als auch Präd abstrakte Klassen bilden; dies spricht für Konstruktionsbindung. Allerdings ergibt sich das Gegenteil, wenn man und zum konkreten projektiven Anker macht. Nun liegt asymmetrische Konkretheit und somit ein Motiv für Valenzbindung vor.

In einem zweiten Schritt möchte ich eine Valenzanalyse von DP-und-Präds vorschlagen, die wesentlich auf zwei unabhängig motivierbaren Annahmen beruht: (i) und projiziert seine reguläre Bedeutung, Gleichartiges über eine gemeinsame Einordnungsinstanz zu verknüpfen; s. Lang (1991). (ii) DP-und-Präds zeichnet strukturell aus, dass das Erstkonjunkt ein stilles Prädikat ist, das von der explizit gegebenen DP in linksperiphärer Topikposition gebunden wird; s. (2). (3) skizziert die sich kompositional ergebende Bedeutung. 

(2)     [TopikP [DP Beni] [Topik' Topik [&P Prädi [&' [& und] [AP putzen]]]]]

(3)     ,Eigenschaft, die die Eigenschaft, Ben zu sein, und die Eigenschaft zu putzen, integriert‘

(3) erfasst u.a., dass es bei DP-und-Präds nicht um eine partikulare Prädikation über den DP-Referenten geht, sondern um die generelle Kompatibilität von DP-Referent und Prädikation. Darüber hinaus lassen sich die spezifischen illokutiven Effekte pragmatisch herleiten; z.B. verhindert die fehlende reguläre Prädikat-Argument-Beziehung Standardassertionen/-fragen; lizenziert sind hingegen in Abhängigkeit vom projektiv relevanten Tonmuster Exklamative oder Echofragen.

Fazit: Ich plädiere für eine Valenzanalyse von DP-und-Präds, die auf dem projektiven Potenzial verschiedener sprachlicher Ausdrucksformen beruht. Damit argumentiere ich schließlich auch gegen die Position in Jacobs (2009), Valenz auf ein relationales morpho-syntaktisches Merkmal deskriptiver Prädikate zu beschränken.

 

Literatur:

  • Bücker, Jörg (2012). Sprachhandeln und Sprachwissen. Grammatische Konstruktionen im Spannungsfeld von Interaktion und Kognition. Berlin: de Gruyter
  • Goldberg, Adele & Devin Casenhiser (2006). English constructions. In Bas Aarts & April McMahon (eds.), The handbook of English linguistics, 343–355. Malden, MA: Blackwell
  • Jacobs, Joachim (2008). Wozu Konstruktionen? Linguistische Berichte 213. 3–44.
  • Jacobs, Joachim (2009): Valenzbindung oder Konstruktionsbindung? Eine Grundfrage der Grammatiktheorie. Zeitschrift für germanistische Linguistik 37. 490–513.
  • Lambrecht, Knud (1990). "What, me worry?" – 'Mad Magazine sentences' revisited. In Kira Hall, Jean-Pierre Koenig, Michael Meacham, Sondra Reinmann & Laurel A. Sutton (eds.), Proceedings of the Sixteenths Annual Meeting of the Berkeley Linguistics Society, 215–228. eLanguage: LSA Publications
  • Lang, Ewald (1991): Koordinierende Konjunktionen. In Arnim von Stechow & Dieter Wunderlich (eds.), Semantik/Semantics. Ein internationales Handbuch der zeitgenössischen Forschung, 597–623. Berlin: de Gruyter.