Abgeschlossene Projekte

Projektteam

Projektleitung

Gisela Zifonun

Mitarbeiter

  • Joachim Ballweg
  • Ursula Brauße
  • Eva Breindl
  • Ulrich Engel
  • Helmut Frosch
  • Ursula Hoberg
  • Ludger Hoffmann
  • Bruno Strecker
  • Klaus Vorderwülbecke

Abschlusspublikation

Grammatik der deutschen Sprache (GDS)


Daten

Der Gegenstand - die deutsche Standardsprache - wird in der Grammatik unterschiedlich repräsentiert.

Wo es darum geht, einen Phänomenbereich in einführenden oder hinweisenden Passagen zu veranschaulichen, wird ein Beispiel gegeben, ein aus eigenerKompetenz gebildeter Sprachausschnitt, der in dieser Form in einer geeigneten Situation geäußert werden könnte. Das Beispiel wird als Segment gegeben, das in der Regel den Umfang einer kommunikativen Minimaleinheit hat. Es ist im Blick auf seine Funktion schon voranalysiert.

Beispiele werden auch gebildet, wenn es sich um relativ einfache und nachvollziehbare Phänomene handelt, für die die Suche nach authentischen Daten einen unangemessenen Aufwand bedeuten würde (Sätze des Typs Johanna schläft oder Werner backt gute Brötchen),auch wenn uns Verwendungsformen intuitiv bekannt sind, sich aber nicht belegen lassen, weil sie sehr selten verwendet werden (etwa Sätze der 'Linguisten-Prosa' wie Auf dem Tisch waren keine Bücher, sondern Zeitungen oder Entweder hat Peter sich einen 'Trabant' oder seiner Frau ein Auto gekauft) oder zufällig nicht im Korpus vorhanden waren.

Daß Ungrammatisches oft nur durch Angabe von Beispielen zugänglich zu machen sind, versteht sich.

Besonderen Wert haben wir darauf gelegt, an zentralen Stellen der Argumentation Belege zu verwenden, authentische Sprachdaten aus Diskursen oder Texten. Es handelt sich um:

  • Material aus den (überwiegend am Rechner recherchierbaren) Korpora des IDS;
  • Daten aus veröffentlichten Korpora oder Korpora der Autoren;
  • von den Autoren in literarischen oder Gebrauchstexten gefundene Daten.

Die Belege sollen relativ direkt Sprachwirklichkeit repräsentieren. 'Relativ', weil Textausschnitte nur im Kontext zu verstehen und Transkriptionen mehr oder minder interpretativ sind: Transkribenten müssen auswählen, orientieren sich an Schrift- und Notationskonventionen, normalisieren, blenden Intonatorisches oder Nonverbales aus, machen Hörfehler usw. Textbelege erscheinen in der folgenden Form:

    lfd. Nr. im Kapitel Auslassung relevantes Phänomen/relevante Stelle

    IMAGE: Beispiel Typ1

    Siglen und Quellen sind im Quellenverzeichnis zusammengestellt.

    Die Transkription ist eine literarische Umschrift, in der auch umgangssprachliche und regionalsprachliche Besonderheiten angedeutet sind. Ferner sind intonatorische Merkmale notiert. Wo es auf den Sprecherwechsel und das zeitliche Verhältnis der Äußerungen nicht ankommt, wird die vereinfachte 'Drehbuchschreibweise' gewählt:

    IMAGE: Beispiel Typ2

    Die 'Partiturschreibweise' wird eingesetzt, um das zeitliche Verhältnis der Sprecherbeiträge (sequentielle Abfolge, simultanes Sprechen, Frühstarts usw.) zueinander abzubilden:

    IMAGE: Beispiel Typ2

    Die Fülle authentischer Daten betrachten wir als Stärkeder Grammatik der deutschen Sprache. Dabei ist Authentizität kein Fetisch: Die Erfahrung lehrt, daß "ungewöhnliche" oder unerwartete Daten immer wieder zu neuen Überlegungen zwingen und vor unzureichenden oder falschen Generalisierungen bewahren. Andererseits sind wir weit davon entfernt, alles zu akzeptieren, was sich belegen läßt. Belege - auch von sprachlichen Autoritäten - entheben nicht der Aufgabe einer grammatischen Beurteilung auf intuitiver wie theoretischer Grundlage. Wer unbesehen ein Beispiel aus der Grammatik übernimmt, tut dies auf eigene Gefahr, doch liefert ein Korpus eine Vielzahl von Daten, die sonst nicht in den Blick kommen und zu erklären sind - und sei es als Fehler oder Fehlanwendung.

      Grammatisch nicht akzeptable Beispiele oder Belege werden mit einem Asterisk (*) markiert:

    1. *Wegen Alkohols stirbt man nicht.

    2. *Catherine und Johan hatten zur Tagung kommen gewollt.

      Dies gilt auch für dialektale Verwendungen, die standardsprachlich ferner von Sprechern des Areals nicht akzeptiert oder verwendet werden:

    3. *Ich kam aus die Schule und ging zu meine Mutter. [Münsterländisch]

    4. *Sie fährt dahin, für [fær] einzukaufe. [Pfälzisch]

      Ist die Akzeptabilität fraglich, für manche Sprecher oder Verwendungszusammenhänge nicht gegeben, wird ein Fragezeichen verwendent (?), ist sie für viele Sprecher bzw. Verwendungszusammenhänge nicht gegeben oder umstritten, werden zwei Fragezeichen (??) notiert.

    5. ?Ich empfehle dir, in Ruhe gelassen zu werden.

    6. ??Ich wurde die Vokabeln letzte Woche abgefragt.

      Was allein semantisch fragwürdig oder nicht möglich erscheint, ist nicht speziell gekennzeichnet, die Art der Abweichung ist im Text behandelt; in der Regel lassen sich Kontexte finden, etwa in der Poesie, wo dergleichen ganz unproblematisch erscheint:

    7. Tische mögen lange Beine.

    8. Rauch erst mal einen guten Kaffee!

 

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