Pragmatik

Aktuelles

24.-26. März 2021 - online: 22. Arbeitstagung zur Gesprächsforschung 2021 – online. Rahmenthema "Bedeutung in der Interaktion"

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Seit Anfang dieser Woche ist das Release 2.14 der Datenbank für Gesprochenes Deutsch (DGD) online. Die Neuerungen betreffen vor allem die Ergänzung...

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Datenbank für Gesprochenes Deutsch 2.10

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in der Rubrik 'Ressourcen' der Zeitschrift für Germanistische Linguistik (ZGL) erschienen

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Projekt "Kommunikative soziale Stilistik"

Beobachtungsbereiche

Im Projekt "Kommunikative soziale Stilistik" werden die allgemeinen Züge einer Soziostilistik unserer Gesellschaft anhand von empirischen Untersuchungen zu Ausschnitten des sozialen Lebens entwickelt, an denen sich soziale Spannungen und Veränderungen ablesen lassen und in denen Stilbildung eine besondere Dynamik aufweist und als sozial relevant hervortritt. Den Orientierungsrahmen bilden fünf Dimensionen der gesellschaftlichen Gliederung, die in soziologischen und kulturwissenschaftlichen Arbeiten als Grundeigenschaften gesellschaftlicher Realität angesehen werden und deren Ausprägungen für die Bestimmung moderner Gesellschaften herangezogen werden:

  • Vertikale Gliederung ("Oben und Unten"): Die Ausbildung einer hierarchischen Strukturierung der Gesellschaft und die dafür konstitutive Verteilung von Macht, ökonomischen Ressourcen, Bildung und Prestige steht in engem Zusammenhang mit sprachlicher Differenzierung (u.a. als Mittel der Abgrenzung und Zugangsregulierung). Untersuchungsfeld ist u.a. das kommunikative Handeln gesellschaftlicher Führungskräfte.

  • Arbeit und Freizeit: Kernpunkte für soziostilistische Beobachtungen sind hier die gesellschafliche Arbeitsteilung mit der Ausdifferenzierung von Berufswelten, die Unterscheidung von Arbeit und Freizeit, die zentrale Rolle des Arbeitskonzepts für das Selbstverständnisses und die Sinngebung in der modernen Gesellschaft und die Ausdifferenzierung von Freizeitwelten. Untersuchungsfelder sind u.a. die Einflüsse der Arbeitswelt und der die jeweiligen Arbeitszusammenhänge prägenden Bedingungen auf die Herausbildung von Gruppenstilen bei innerbetrieblichen Arbeitsgruppen und die Nutzung von interaktiven Medien als Arbeitsinstrument.

  • Migration ("Ansässige und Zuwanderer"): Migration führt zu Sprach- und Kulturkontakt und schafft Situationen, in denen Neuankömmlinge und Etablierte miteinander konfrontiert sind und sich die Frage der Eingliederung oder Ausgrenzung erhebt. Der Umgang der Gesellschaft mit dem Verhältnis zwischen Ansässigen und Zuwanderern gehört gegenwärtig zweifellos zu den Kernelementen des gesellschaftlichen Selbstverständnisses. Untersuchungsfelder sind u.a. die kommunikative Stilbildung in der türkischen Population (deutsch-türkische Jugendliche) und bei jungen russlanddeutschen Aussiedlern.

  • Lebensalter und Generationswechsel ("Jung und Alt"): Die zentralen Gesichtspunkte sind hier Altersdifferenzierung und soziokulturelle Differenzierung (Jugendkulturen, Alterskulturen), der Status von Altersgruppen (Wertschätzung der Jugend gegen Geringschätzung des Alters), das Verhältnis von biografischem und sozialem Wandel sowie Generationenfolge und Sozialisation. Untersuchungsfelder sind u.a. jugendkulturelle mediale Stile und die Kommunikation im Alter.

  • Öffentlichkeit: Die Ausdifferenzierung und Abgrenzung von Aktivitätssphären gehört zu den anthropologischen Konstanten. Die Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit ist eine Eigenschaft der Moderne, wobei Grenzverschiebungen, die Artikulation von Schutzbedürfnissen und von Zugriffsrechten der Öffentlichkeit auf die Lebenssphäre des Individuums in unmittelbarer Beziehung zu soziostilistischen Entwicklungen stehen (z.B. im Zusammenhang mit der Definition und Rolle von gesellschaftlicher Prominenz). Unter kommunikationsstrukturellen Gesichtspunkten ist die mediale Konstitution von Öffentlichkeit und ihre Funktion als Gegengewicht gegen die gesellschaftliche Zersplitterung in kleine Lebenswelten. Untersuchungsfelder sind u.a. die Zuwanderungspolitik im öffentlichen Diskurs und Leitbilder sozialen Handelns im öffentlichen Medien-Diskurs.

Weitere Informationen zum Projekt: