Kontakt

Elena Schoppa (Projektmanagerin)

E-Mail: schoppa (at) ids-mannheim.de

Tel.: + 49 621 1581-406

 

Projektbeschreibung

DIE IDEE

Als Teil der Leibniz-Gemeinschaft möchte das IDS neue und nachhaltige Wege des Austausches mit der Gesellschaft beschreiten. In diesem Kontext entstand in Mannheim schon vor einigen Jahren die Idee einer Ausstellung rund um die deutsche Sprache, die die Forschungsergebnisse des IDS einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen sollte. Da jede Besucherin und jeder Besucher den Ausstellungsgegenstand – ihre oder seine eigene Sprache – selbst mitbringt, wurde das Vorhaben gedanklich erweitert: Was wäre, wenn sich Interessierte während oder nach dem Ausstellungsbesuch durch Sprachspenden selbst an der Ausstellung beteiligen und sie so mitgestalten könnten? Was wäre, wenn diese „Sprachspenden“ die Grundlage für Forschungsprojekte über den gegenwärtigen Sprachgebrauch darstellen? Und wenn die Ergebnisse wiederum neue Vermittlungsformate inspirieren? So entstand im Jahr 2018 das Konzept für ein Dokumentationszentrum der deutschen Sprache (Arbeitstitel), welches vier Funktionsbereiche –  Vermittlung, Erhebung, Forschung und Veranstaltung – eng miteinander verzahnt. Lesen Sie hierzu auch den Artikel von Prof. Dr. Henning Lobin Ein CERN der deutschen Sprache.

DIE REALISIERUNG

Die Neuausrichtung des geplanten Museums als Dokumentationszentrum der deutschen Sprache, welches eine dauerhafte Überschneidung des innerwissenschaftlichen und des öffentlichkeitsbezogenen Diskurses ermöglicht, fand spontan Unterstützung.

Das Land Baden-Württemberg fördert das Konzeptionsprojekt seit Mitte 2019 bis Ende 2021 mit einem Zuschuss von insgesamt rund 329.000 €.  Mittels dieser Unterstützung wurde am IDS eine Projektmanagerin eingestellt und das Büro Dr. Ulrich Hermanns Ausstellung Medien Transfer GmbH (Münster) mit der Erstellung einer Rahmenkonzeption für das Dokumentationszentrum beauftragt. Der sogenannte Masterplan wird in enger Zusammenarbeit mit dem IDS entwickelt und soll im Herbst 2020 vorliegen. Mit der Absicht der dauerhaften Einrichtung des Forums Deutsche Sprache in Mannheim wird das IDS einen kleinen strategischen Sondertatbestand bei der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz beantragen, über den der wissenschaftliche Betrieb der Einrichtung finanziert werden kann. Ferner sind Fundraising-Kampagnen zur Finanzierung des musealen Dauerbetriebes vorgesehen.

Die Stadt Mannheim hat die Bereitschaft signalisiert, dass für das Dokumentationszentrum ein attraktiver innerstädtischer Bauplatz am Neckar im Erbbaurecht zur Verfügung gestellt wird. Die Entscheidung darüber obliegt dem Mannheimer Gemeinderat. Aktuell finden diesbezügliche Abstimmungsgespräche mit der Stadt Mannheim statt.

Es gibt zudem Vorgespräche mit einer namhaften Stiftung aus der Region, allerdings sind vor der Konkretisierung des Bauprojekts noch diverse Randbedingungen zu klären.

WEITERENTWICKLUNG ALS FORUM

Im Rahmen der Masterplanung kristallisieren sich sowohl für die Inhalte der Ausstellung als auch für das Betriebskonzept als Ganzes Schwerpunkte heraus. Die Grundkonzeption als Forum, also als öffentlichem Platz, an dem sich Menschen begegnen und miteinander sprechen, lag angesichts des Themas Sprache nahe. Die Begriffe Museum, Werkstatt und Archiv konkretisieren das Vorhaben: Im Forum soll (deutsche) Sprache ausgestellt, produziert und verarbeitet sowie gesammelt und bewahrt werden.

Vorgesehen ist ein modularer Aufbau, in dem alle Funktionsbereiche miteinander vernetzt sind. In der einschlägigen Projektgruppe wurden Anfang 2020 die Module „Begegnen und Erleben“, „Ausstellen und Vermitteln“, „Lernen und Dokumentieren“, „Veranstalten“, „Forschen und Vernetzen“ und „Verwalten“ definiert. Die Ausstellung selbst möchte auf unterschiedliche Arten möglichst breit gefächerte, diverse Zielgruppen ansprechen und vorrangig sprachliche Themen behandeln, die von gesellschaftlicher Relevanz und von öffentlichem Interesse sind. Digitale Kommunikation, Sprachwandel (z. B. Neologismen/Anglizismen), sprachliche Varianz (z. B. Dialekte/Regiolekte) und deutsche Sprachgeschichte sind hierfür nur einige Beispiele. Das in der Ausstellung auch das Deutsche als Sprache in Europa und in der Welt eine Rolle spielen wird, versteht sich von selbst. Die Vermittlungsziele gehen über das reine Verständnis der Sprache und ihrer Erforschung hinaus: Die Beschäftigung mit den Ausstellungsobjekten soll auch eine Verbesserung des Reflexionsvermögens gegenüber sprachlichen Beeinflussungsversuchen (Stichwort Fake News/Framing) und eine Erhöhung von Toleranz gegenüber sprachlicher Varianz und sprachlichem Wandel ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass die Vermittlung in der Ausstellung durch innovative Formate, die einen Dialog zwischen Besucher*innen und Wissenschaft anstoßen, erweitert wird. Von (thematischen) Führungen, vielfältigen Veranstaltungsformaten bis hin zu Werkstätten für Projektarbeit und Bürgerwissenschaften soll das Angebot reichen. Es ist vorgesehen, auch die Option seine eigene Sprache zu „spenden“ eng mit den Exponaten zu verknüpfen.

Das Forum Deutsche Sprache möchte für die Region und darüber hinaus ein gewinnbringender außerschulischer Lernort sein und plant eine enge Zusammenarbeit mit Verantwortlichen aus dem gesamten Bildungsbereich. In diesem Kontext ist auch ein designiertes Angebot für Kindergarten- und Grundschulkinder vorgesehen.

DIE FÜRSPRECHER

Sowohl die Stadt Mannheim, vertreten durch den Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, als auch das Land Baden-Württemberg, vertreten durch den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer, unterstützen das Vorhaben aktiv. Der Ministerpräsident sieht im Dokumentationszentrum „ein wichtiges Projekt zur Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Gesellschaft, das sich mit seinem Gegenstand, der Sprache, in besonderer Weise dazu eignen kann mit vielversprechenden Perspektiven auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern“.

Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner befürwortet das Vorhaben als eine wertvolle Ergänzung der Aufgaben der Leibniz-Gemeinschaft in Bezug auf Forschung, Forschungsinfrastruktur und Vermittlung von Wissenschaft in die Öffentlichkeit.